
The Write Way Podcast Folge 20: Metaprogramme
Lisa Keskin:
Wir sind bereits bei Folge zwanzig unseres The Write Way Podcasts angekommen. Und zur Feier dieser Runde haben wir uns ein Thema ausgesucht, das im ersten Moment ein bisschen spooky klingt: Metaprogramme. Also geheime Muster im Kopf.
Keine Sorge. So spooky ist das gar nicht. Heute schauen wir uns an, was Metaprogramme überhaupt sind, welche es gibt, was sie mit Schreiben zu tun haben und warum sie für Leser:innen eine große Rolle spielen.
Bevor wir einsteigen, Moni, möchte ich dich etwas fragen: Wie bist du eigentlich zu den Metaprogrammen gekommen?
Moni:
Ich bin da ähnlich unterwegs wie du. Ein bisschen ein Ausbildungsjunkie. Und so bin ich bei der Lerntrainer:innen-Ausbildung bei Hanna Fiedler gelandet. Da geht es darum, wie Menschen lernen, verarbeiten und Informationen aufnehmen.
Und genau dort kommen Metaprogramme ins Spiel. Innere Denk- und Wahrnehmungsmuster. Oder anders gesagt: Verarbeitungsfilter. Sie entscheiden darüber, was wir wahrnehmen, wie wir es wahrnehmen und was wir dann damit machen.
Lisa:
Im Zuge dieser Ausbildung habe ich gemerkt, wie relevant das nicht nur fürs Lernen ist, sondern auch fürs Schreiben, fürs Texten und für Content generell. Und nein, wir reden hier nicht von Sehen, Hören, Riechen, Schmecken. Sondern davon, wie Menschen Informationen strukturieren und einordnen.
Moni:
Metaprogramme treten immer paarweise auf. Und heute schauen wir uns vier dieser Paare an, die fürs Schreiben besonders relevant sind:
Detail versus Überblick
Regel versus Möglichkeit
Hin zu versus Weg von
Gleich versus Unterschied
Es gibt noch mehr, aber diese vier reichen für heute völlig.
Lisa:
Fangen wir mit Detail versus Überblick an. Das ist wahrscheinlich das Metaprogramm, das man am leichtesten nachvollziehen kann.
Die spannende Info zuerst: Das ist das einzige Metaprogramm, bei dem man beides sein kann. Detail- und Überblicksmensch. Idealfall. Auch fürs Schreiben.
Moni:
Viele Menschen sind aber deutlich mehr auf einer Seite zu Hause. Entweder sie lieben Details oder sie wollen schnell zum Punkt kommen.
Kennst du das? Jemand erzählt ewig und verliert sich in Details, und du denkst dir nur: Bitte, komm endlich zum Punkt. Dann bist du vermutlich eher im Überblick. Und dein Gegenüber im Detail.
Lisa:
Und genau das müssen wir beim Schreiben berücksichtigen. Wir wollen weder Leser:innen verlieren, weil es zu schwafelig ist, noch weil es zu oberflächlich bleibt.
Für Überblicksmenschen sind Struktur, Inhaltsverzeichnis, Zusammenfassungen und klare Kapitel enorm wichtig. Manche lesen wirklich nur das Fazit. Und ja, dafür gibt es sogar Apps wie Blinkist.
Moni:
Detailmenschen wollen hingegen Zahlen, Daten, Fakten, Hintergrundwissen. Infoboxen, Fußnoten, Endnoten. Sie wollen tiefer graben.
In Sachbüchern kann man das sehr gut kombinieren. Überblick im Fließtext, Details in Boxen oder Anhängen.
Lisa:
Bei Romanen ist das schwieriger. Da muss man sich bei Details immer fragen: Dient das der Geschichte oder lenkt es ab? Und wenn man eher Überblicksmensch ist, darf man sich in der Überarbeitung bewusst fragen: Wo fehlen noch Details, die das Bild lebendiger machen?
Moni:
Kommen wir zum nächsten Metaprogrammpaar: Regel versus Möglichkeit.
Ein Klassiker. Nehmen wir ein Kochbuch.
Regelmenschen brauchen exakte Angaben. Gramm, Minuten, Reihenfolge. Schritt für Schritt.
Möglichkeitsmenschen lesen das Rezept, denken sich „leiwand“ und machen dann sowieso ihr eigenes Ding.
Lisa:
Ich habe unzählige Kochbücher. Ich habe noch nie nach einem gekocht. Ich lasse mich inspirieren. Das reicht mir.
Moni:
Und genau deshalb ist es klug, sogenannte Erlauber einzubauen. Zum Beispiel: „Du kannst das Rezept natürlich nach deinem Geschmack abwandeln.“ Damit fühlen sich Möglichkeitsmenschen gesehen.
Das gilt übrigens auch fürs Lesen von Büchern. Manche Menschen lesen strikt von vorne bis hinten. Andere springen herum, lesen Kapitel quer oder nutzen Bücher wie Orakel.
Lisa:
Ich liebe Bücher, bei denen ich irgendwo aufschlagen kann und etwas für mich mitnehme. Kurzgeschichten zum Beispiel.
Andere wiederum brauchen die Reihenfolge, sonst werden sie nervös. Beides ist okay. Aber man sollte es beim Schreiben mitdenken.
Moni:
Das nächste Metaprogrammpaar ist Hin zu versus Weg von.
„Der Weg zur finanziellen Freiheit“ wäre ein Hin-zu-Ansatz.
„Raus aus der Schuldenfalle“ ist Weg-von.
Beides funktioniert. Und idealerweise nutzt man auch hier beide Richtungen. Vor allem in Ratgebern und Sachbüchern.
Lisa:
In Geschichten ist das sowieso eingebaut. Held:innen starten im Problem, gehen weg von etwas und hin zu einem Ziel. Genau das gleiche Prinzip.
Moni:
Und das letzte Paar: Gleich versus Unterschied.
Manche Menschen suchen Gemeinsamkeiten. Andere Unterschiede.
Beides lässt sich sprachlich sehr gut abbilden. Zum Beispiel:
„Im Unterschied zu …“ oder „Genauso wie …“
Aber bitte mit Maß. Sonst wird es anstrengend.
Lisa:
Fazit:
Gerade bei Sachbüchern ist es extrem hilfreich, sich dieser Verarbeitungsmuster bewusst zu sein. Und wenn du einen klaren Schwerpunkt setzt, dann kommuniziere ihn auch im Titel und im Klappentext.
„Dieses Buch gibt einen Überblick über …“
oder
„Dieses Buch bietet detaillierte Anleitungen …“
Das muss zusammenpassen. Sonst gibt es schlechte Rezensionen, obwohl das Buch vielleicht gut ist.
Moni:
Lieber legt jemand das Buch gleich wieder weg, als dass er oder sie enttäuscht eine schlechte Bewertung schreibt.
Lisa:
Wenn dich dieser Podcast angesprochen hat, dann freuen wir uns. Vielleicht sind wir die Richtigen für dich. Und wenn nicht, ist das auch okay.
Moni:
In diesem Sinne: Viel Spaß beim Entdecken der Metaprogramme.
Beim Überblicken oder beim Detaileintauchen.
Und beim Umsetzen.
Beide:
Tschüss.



