
The Write Way Podcast Folge 19: Testleser:innen – ja oder nein?
Hallo und herzlich willkommen zu Folge neunzehn unseres The Write Way Podcasts. Heute mit einem Thema, zu dem wir wirklich oft gefragt werden: Testleser:innen. Top oder Flop?
Was tun Testleser:innen eigentlich?
Brauche ich sie überhaupt?
Woher bekomme ich sie?
Und kann ich dafür meine Freund:innen oder meine Familie einspannen?
Fangen wir ganz vorne an. Was sind Testleser:innen überhaupt?
Ganz grob gesagt sind das Personen, die dein Buch lesen und dir Feedback geben. Je nachdem, zu welchem Zeitpunkt sie das tun und mit welchem Ziel, gibt es unterschiedliche Formen.
Moni, magst du einsteigen?
Moni:
Gerne. Es gibt zum Beispiel sogenannte Alpha Reader. Das sind Personen, die deinen Text sehr früh lesen. Entweder während des Schreibprozesses oder wenn das Manuskript gerade fertig geworden ist, aber noch roh ist.
Das Ziel dabei ist eine Art Markttest. Du möchtest herausfinden, ob die Grundidee funktioniert, ob das Thema interessiert, ob die Richtung stimmt. Kurz gesagt: Kannst du so weiterschreiben oder solltest du noch grundlegend etwas ändern?
Wichtig ist, dass du deinen Alpha Readern ganz klar sagst: Das ist ein Rohtext. Sprachlich nicht ausgefeilt, wahrscheinlich noch mit Fehlern.
Trotzdem solltest du den Text vorab durch eine Rechtschreib- und Grammatikprüfung laufen lassen. Nicht durch ein Lektorat, aber durch ein Programm. Einfach damit die gröbsten Fehler draußen sind und das Feedback nicht daran hängen bleibt.
Lisa:
Und ganz wichtig: Alpha Reader sollten aus deiner Zielgruppe kommen. Das ist Marktforschung. Wenn du ein Jugendbuch schreibst, ist deine Oma, so lieb sie auch ist, nicht die richtige Testleserin.
Es geht darum, ob Sprache, Thema, Figuren und Entwicklung für die Zielgruppe funktionieren. Ob das glaubwürdig wirkt. Ob man dranbleiben möchte.
Und auch hier: Der Auftrag muss klar sein. Alpha Reader sollen nicht Beistriche zählen oder Tippfehler kommentieren. Sie sollen dir sagen, ob die Geschichte trägt.
Moni:
Genau. Und wenn es Alpha Reader gibt, gibt es natürlich auch Beta Reader. Die kommen ins Spiel, wenn dein Manuskript aus deiner Sicht fertig ist.
Beta Reader schauen auf den Lesefluss, den roten Faden, Logik, Stil, Spannung, Atmosphäre, Erzähltempo. Gibt es Längen? Gibt es Stellen, die verwirren? Springt man als Leser:in raus?
Beta Reader müssen nicht zwingend Teil der Zielgruppe sein, aber sie müssen das Genre kennen und sich gut in die Leseperspektive hineinversetzen können. Ein gutes Sprachgefühl ist hier essenziell.
Lisa:
Das schreit ja fast nach Lektorat light, oder?
Moni:
Ja, fast. Aber ganz wichtig: Testlesen ersetzt kein professionelles Lektorat. Das sind zwei völlig unterschiedliche Dinge.
Und bitte niemals ein bereits lektoriertes Buch an Testleser:innen schicken. Wenn danach noch größere Änderungen nötig sind, musst du alles noch einmal lektorieren lassen. Das kostet Zeit, Geld und Nerven.
Lisa:
Jetzt zur großen Frage: Wen nimmt man als Testleser:in?
Ich höre ganz oft: Meine Freundin, meine Mama, meine Familie. Kann man machen. Muss man aber nicht. Und oft ist es problematisch.
Entweder sind sie zu nett und trauen sich nicht, ehrlich zu sein. Oder sie sind nicht objektiv. Oder sie haben keine Erfahrung darin, Feedback zu geben.
Und ja, es gibt auch Neid. Oder alte Geschichten. Oder gut gemeinte, aber völlig unpassende Vergleiche à la: Schreib doch so wie Stephen King. Das hilft niemandem.
Moni:
Auch wahllos in Facebookgruppen nach Testleser:innen zu suchen, bringt selten etwas. Vor allem in Gruppen, die nichts mit Schreiben oder Lesen zu tun haben. Das Feedback ist dann oft beliebig oder thematisch völlig daneben.
Wir selbst arbeiten normalerweise ohne Testleser:innen. Bei unserem aktuellen Krimi machen wir zum ersten Mal eine Ausnahme. Weil bei einem Krimi Logik alles ist. Wenn die nicht stimmt, ist das Buch kaputt.
Deshalb holen wir uns diesmal vier oder fünf Personen, die gezielt nach Logikfehlern, Unklarheiten, Figurenentwicklung und Glaubwürdigkeit schauen.
Lisa:
Und auch hier gilt: nicht zu viele. Zu viele Meinungen machen es nicht besser, sondern schwieriger.
Wo findet man gute Testleser:innen?
In Schreibcommunities, Schreibforen, über Testleser-Tausch mit anderen Autor:innen. Auf Plattformen wie Lovelybooks oder Wattpad.
Man kann auch die eigene Zielgruppe ansprechen, über Newsletter oder Social Media. Das erfordert aber viel Vertrauen und gute Auswahl.
Oder man arbeitet mit bezahlten Testleser:innen, zum Beispiel mit Lektor:innen. Da kann man mit Kosten von bis zu etwa sieben Euro pro Normseite rechnen, je nach Tiefe des Feedbacks.
Moni:
Ganz wichtig: Jedes Feedback ist subjektiv. Du musst nichts davon annehmen. Aber wenn mehrere Personen auf denselben Punkt hinweisen, lohnt es sich hinzuschauen.
Und ja, es ist völlig normal, dass du fünf Testleser:innen hast und fünf unterschiedliche Meinungen bekommst. Das passiert auch bei Profis.
Lisa:
Zusammengefasst:
Alpha Reader lesen den Rohtext und helfen bei der Markteinschätzung.
Beta Reader lesen den fast fertigen Text und geben inhaltliches Feedback.
Such dir deine Testleser:innen sorgfältig aus.
Neutral ist besser als Familie.
Gib einen klaren Auftrag und stelle klare Fragen.
Und entscheide selbst, was du umsetzt.
Und ganz wichtig: Testleser:innen sind optional. Du musst keine haben. Wenn du welche willst, dann bewusst.
Moni:
In diesem Sinne sind wir fertig.
Lisa:
Wir schreiben jetzt weiter an unserem Krimi, damit unsere Testleser:innen bald etwas zum Lesen haben.
Beide:
Tschüss.



