
The Write Way Folge 32: Wie man Feedback überlebt
Lisa: Hallo und herzlich willkommen bei der Folge zweiunddreißig des The Write Way Podcasts. Heute geht es um das Thema Feedback. Vor allem um schlechtes Feedback. Um das, das richtig weh tut und darum, wie man trotzdem überlebt. Ich möchte gleich vorausschicken: Ich hoffe, dass du nie in die Verlegenheit kommst, dass du richtig schlechtes Feedback einfängst. Aber du bist davor leider nie gefeit und es ist immer besser zu wissen, dass so was passieren kann und darauf vorbereitet zu sein. Weil dann kannst du entsprechend reagieren. Kurz gesagt: Du bist gewappnet. Und damit steigen wir gleich ein. Moni, erinnerst du dich an das erste schlechte Feedback, das ich jemals zu einem Text bekommen habe?
Moni: Ja, du warst sehr still. Und das ist bei dir nie ein gutes Zeichen.
Lisa: Nein, ich war nicht still. Ich bin innerlich gestorben. Ich habe mein Testament gemacht. Ich habe mein ganzes Leben hinterfragt. Und ich wollte am liebsten einfach nie wieder aus dem Bett aufstehen. Ich war mir nicht sicher, ob mir das Bett überhaupt noch gehört. Also ich gehe davon aus, dass du wirklich alles hinterfragt hast, deinen Text und dich selbst und was du kannst oder auch nicht, ob du was kannst und ob du jemals was gekonnt hast und überhaupt gleich die ganze Existenz von Sprache.
Moni: Mindestens. Und ganz genau, es war furchtbar. Und genau darüber reden wir heute. Darüber, wie man als schreibender oder sonst irgendwie kreativer Mensch so was überlebt. Und auch ohne bleibende Schäden da rauskommt oder zumindest mit einer richtig guten Geschichte, die man noch den Enkelkindern erzählen kann. Das ist auch immer eine Option. Oder kotzen, wenn man keine Enkelkinder hat. Also willkommen zu unserer Folge über Feedback. Über die Sätze, die so ganz harmlos anfangen und dann trotzdem mitten ins Herz treffen. Aber nicht auf die gute Art. Und über die Kunst, nicht sofort alles hinzuschmeißen oder jemanden umzubringen.
Lisa: Aber sag mir, warum tut Feedback eigentlich so weh?
Moni: Weil wir halt nicht einfach nur ein Blatt Papier abgeben oder ein Worddokument mit ein bisschen Text drauf. In diesen Texten steckt unglaublich viel von uns selbst drinnen. Unser Herz, unsere Seele. Und das macht uns natürlich verletzbar. Wir sagen ja auch selten: Das ist mein Text. Wie gefällt er dir denn? Sondern es ist wirklich: Hier bin ich. Ich hoffe, ich bin gut genug. Es kommt einfach in den Text so viel von uns rein, dass wir meistens jede Bewertung sehr persönlich nehmen. Und nur ganz wenige schaffen es, den Text, den sie geschrieben haben, von sich selbst zu trennen.
Lisa: Ja, das kann ich auch nicht. Reden wir drüber. Wie kann man damit umgehen?
Moni: Ich glaube, das Wichtigste, an das man zuerst denken sollte, ist: Wir sind alle komplett unterschiedlich. Wir ticken komplett unterschiedlich. Entsprechend kann auch das Feedback, wenn wir es geben, sehr unterschiedlich ausfallen. Sowohl was die Quantität betrifft als auch was die Qualität betrifft. Es gibt Leute, die kommentieren sehr viel, auch positiv. Dazu gehören wir beide zum Beispiel. Wir schreiben nicht nur hin: Okay, das mag ich nicht. Das klingt nicht nach mir. Sondern schreiben eben auch: Hey, das ist super. Das ist genau mein Stil. Oder: Das gefällt mir besonders gut. Das machen aber eben nicht alle.
Lisa: Ja, es gibt sogar Menschen, die geben genau ein solches Feedback. So wie: Auf Seite achtundfünfzig, da ist dieses eine Wort, das verwende ich nicht. Schreib stattdessen lieber das. Das ist mir schon passiert. Und dann habe ich natürlich nachgefragt. War ja immerhin ein ganzes Buchmanuskript. Und was ist mit dem Rest?
Moni: Und wie war dann die Antwort?
Lisa: Der Rest passt. Auf jeden Fall habe ich nicht viel nacharbeiten müssen. Und der Kunde, also in dem Fall der Mann, hat eben ein Buch gehabt. Nicht seins, aber eins, auf dem sein Name steht. Punkt. Und wenn das reicht, soll es mir auch recht sein, solange mein Name nicht drinsteht. Lieber sind mir allerdings die, die ein bisschen mehr zu sagen haben. Nämlich idealerweise auch was Positives. Also Feedback sehr kurz gehalten, mäßig wertschätzend, eher so: ist mir wurscht.
Moni: Ja, kann man auch machen. Wir machen es nicht. Wir geben in unseren Workshops und Lehrgängen und auch bei den Buchcoachings und überhaupt bei unseren Kunden und Kundinnen unglaublich viel Feedback. Bei Kunden und Kundinnen ist es eben oft so, dass die wissen wollen, ob das, was sie bisher geschrieben haben, passt oder nicht oder wo sie noch was verbessern können. Und wir achten immer darauf, dass unser Feedback hilfreich ist. Das heißt, dass unser Gegenüber damit auch etwas anfangen kann. Und wir schreiben oder sagen eben immer auch dazu, was wir gut finden.
Das machen wir aus zwei Gründen. Erstens, weil wir die Leute ermutigen und nicht entmutigen wollen. Und zweitens, weil wir eben nicht nur Feedback geben, sondern in unserem Berufsalltag auch ständig Feedback bekommen. Und wir wissen daher aus erster Hand, was verunglücktes oder nicht wertschätzendes Feedback mit einem anrichten kann. Und das wollen wir bei anderen vermeiden.
Lisa: Und ein kurzer Klugscheißer Insert. Vielleicht hast du ja schon was vom Sandwichfeedback gehört. Das heißt, man macht es wie bei einem Hamburger. Außen ist das Brot und innen ist das Fleisch. Das Brot ist das Positive. Das heißt, man beginnt mit etwas Positivem. Dann kommt dazwischen das Fleischlaberl, wie man in Wien sagt. Das ist die Kritik.
Moni: Aber bitte konstruktive Kritik ist der Weg. Man kann auch nur Positives sagen. Also was Positives, dann die konstruktive Kritik, dann wieder was Positives. Muss man nicht so machen. Mache ich auch nicht immer so direkt. Es geht um die Idee dahinter. Nämlich erstens sag auch, was dir gefällt und nicht nur das, was dir nicht gefällt. Und das, was dir nicht gefällt, formuliere bitte so, dass dein Gegenüber sich was mitnehmen kann. Dass er nachher weiß, wie er es anders machen oder besser machen kann. Nicht so: Das ist scheiße. Und das ist scheiße. Danke. Und jetzt weiter.
Lisa: Also immer dran denken: Feedback sollte konstruktiv und hilfreich sein.
Moni: Vor allem ist es ganz gut, Feedback als Ich-Botschaft zu senden. Das heißt: Ich habe mich in dem Teil vielleicht nicht so abgeholt gefühlt. Wenn du sagst: Du holst damit niemanden ab, das ist geschissen, dann hilft das niemandem und es ist auch nicht sinnvoll. Vor allem stimmt es möglicherweise nicht. Ich weiß ja nicht, ob das, was da steht, andere Leute auch nicht abholt. Oder vielleicht doch.
Lisa: Ja, das kann man übrigens lernen. Und es ist auch etwas, das wir unseren Teilnehmerinnen schon ganz am Anfang beibringen. Wie man gescheit Feedback gibt, dass das Gegenüber was davon hat.
Moni: Aber zurück zum Feedback. Es gibt auch diese Sätze, die ganz harmlos anfangen und dann beim Aber alles kippt. Zum Beispiel: Ich finde den Ansatz spannend, aber. Und ab dem Aber ist dann alles vorbei. Dann gibt es nur mehr emotionale Talfahrt. Feedback hat einfach diese besondere Qualität, dass es wahrscheinlich selten böse gemeint ist, aber manchmal so ungeschickt formuliert ist, dass es einfach ungut rüberkommt. Man sagt ja auch, wenn ich einen Satz mit aber habe, dann ist alles, was vor dem aber gestanden ist, hinfällig in dem Moment, wo man das aber ausspricht. Und selbst wenn das nicht die Intention war, kommt es beim Gegenüber so an.
Lisa: Ja, total. Und bitte behaltet es im Hinterkopf. Manchmal ist Feedback einfach eine sehr persönliche Meinung, verkleidet als Wahrheit oder mehr oder weniger gut getarnter Seitenhieb.
Moni: Genau. Oft ist auch ein eigener Geschmack, der als Handlungsanweisung verkleidet ist. Und das ist eben ein ganz wichtiger Punkt. Feedback ist fast immer subjektiv. Mit wenigen Ausnahmen. Zum Beispiel bei Rechtschreibung oder Dingen, die eindeutig richtig oder falsch sind.
Lisa: Wenn wir als Ghostwriter beruflich Feedback bekommen, dann meistens von Menschen, die sich selbst im Text wiederfinden wollen. Dann kann es vorkommen, dass wir Feedback bekommen, das sich so anhört, als wäre die Welt zusammengebrochen. Zum Beispiel: Lisa, ich erkenne mich in meinem Buch nicht wieder. Ich bin todunglücklich. Und dann geht es um ein Wort.
Moni: Und du sitzt dazwischen zwischen professionell bleiben und innerlich denken.
Lisa: Genau das ist die hohe Kunst.
Moni: Wie hast du dein erstes Feedback überlebt?
Lisa: Ich war still. Innerlich komplett fertig. Ich wollte mich vergraben und habe überlegt, ob ich nicht einfach zur Müllabfuhr gehe.
Moni: Mit deinem Text.
Lisa: Leider ja. Aber ich habe mich wieder erholt.
Moni: Und wie konkret geht man damit um?
Lisa: Erstens: nicht sofort reagieren. Zweitens: nicht rechtfertigen. Drittens: durchatmen. Und dann Danke sagen.
Und dann kommt der wichtigste Punkt: trennen. Zwischen Text und Person.
Moni: Genau. Der Text bist nicht du.
Lisa: Und dann überlegen: Woher kommt das Feedback? Ist es gefragt oder ungefragt?
Moni: Und wenn ungefragt, darfst du es zurückgeben.
Lisa: Return to Sender.
Moni: Genau. Und Grenzen setzen.
Lisa: Und auswählen, was hilfreich ist.
Moni: Und den Rest ignorieren.
Lisa: Genau.
Moni: Und manchmal reicht es, zwei Stellen zu ändern und plötzlich passt alles.
Lisa: Genau. Ist mir passiert.
Moni: Und wenn Feedback dauerhaft respektlos ist, darf man auch gehen.
Lisa: Absolut.
Moni: Und privat ist es noch heikler.
Lisa: Viel persönlicher.
Moni: Klassiker: Ich sag das nur, weil ich dich liebe.
Lisa: Ich atme. Und entscheide selbst, ob ich es annehme.
Moni: Genau.
Lisa: Du darfst Feedback hören, ohne es anzunehmen.
Moni: Und manchmal ist schon das Überleben davon eine Leistung.
Lisa: Und das Überleben der anderen.
Moni: Genau.
Lisa: Wenn du Feedback bekommst, heißt das: Du zeigst dich.
Moni: Und das ist mutig.
Lisa: Also nimm dir Zeit. Sortiere. Und schreib weiter.
Moni: Und wenn ihr Feedback für uns habt, gerne her damit.
Lisa: In diesem Sinne. Keep writing.



