The Write Way Folge 22: Bist du Team hören oder lesen?

Lisa Keskin:
Willkommen zur Folge zweiundzwanzig unseres The Write Way Podcasts.
Heute mit dem Thema: Liest du noch oder hörst du schon?

Bei uns zuhause sind die Meinungen dazu ziemlich gespalten. Während die eine quasi mit ihrem E-Book-Reader verwachsen ist und am iPad oder Handy liest, bekommt die andere lieber etwas auf die Ohren. Und zwar gern und freiwillig.

Kurz gesagt: Es geht um Buch hören oder Buch lesen. Welche Vor- und Nachteile hat das eine, welche das andere? Warum hört Lisa lieber, als sie liest? Und warum schlafe ich bei Hörbüchern immer ein? All das klären wir heute.

Moni, du liest lieber. Warum eigentlich?

Moni:
Ich bin sehr visuell und kinästhetisch. Ich höre zwar gern Musik, aber eher zur Entspannung. Und genau deshalb schlafe ich bei Hörbüchern zuverlässig ein. Selbst bei spannenden Büchern. Ich brauche den Text vor mir. Ein Buch, einen Reader oder auch das Handy in der Hand. Das ist für mich wichtig. Visuell und eben auch haptisch. Ein klarer Vorteil von echten Büchern ist außerdem: Sie brauchen keinen Strom. Gut, außer man liest im Dunkeln. Beim E-Reader oder Handy ist das natürlich anders.

Lisa:
Wobei man mit einem Buch in der Hand auch weniger asozial wirkt, als wenn ich mit Kopfhörern komplett von der Welt abgeschottet bin. Zur Erklärung: asozial heißt bei uns unsozial, also keine Interaktion mit anderen. Sonst klingt das komisch.

Moni:
Wobei man fairerweise sagen muss: Wenn ich lese, bekomme ich auch nichts mehr mit. Ein weiterer Vorteil von Büchern ist natürlich: Man kann sie kaufen und ins Regal stellen.

Lisa:
Was allerdings auch ein Nachteil sein kann. Unsere Wohnung und unsere Büros sind voll mit Büchern. Wirklich voll.

Moni:
Deshalb lese ich mittlerweile sehr viel über E-Reader, vor allem Belletristik. Sachbücher kaufe ich mir aber nach wie vor gern in gedruckter Form. Für den Urlaub ist das natürlich auch praktisch. Ich bräuchte sonst zwei Koffer nur für Bücher.
Ein Nachteil beim Lesen ist außerdem: Wenn man so gut ist wie wir, braucht man irgendwann eine Brille. Oder am Strand eine optische Sonnenbrille. Und man kann nicht überall lesen. Beim Gehen, Autofahren oder Bügeln wird es schwierig.

Lisa:
Hören kann ich überall. Beim Fitnesscenter, beim Aufräumen, beim Puzzeln. Und ja, auch im Bett. Da schlafe ich dann halt ein. Ich hatte eine Phase, da habe ich beim Puzzeln immer thematisch passende Hörbücher gehört. Agatha Christie, Sherlock Holmes und so weiter. Das war großartig.

Trotzdem: Die Haptik eines echten Buches ist etwas Besonderes. Und der Geruch. Wenn ich genug Platz hätte, würde ich mir alle Bücher in echt kaufen. Aber dafür bräuchte ich ein Haus mit hundert Quadratmeter Bibliothek.

Moni:
Für dich ist das Angreifen ja ohnehin nicht so relevant.

Lisa:
Stimmt. Ich habe einen meiner Special Effects. Eine gewisse Hochsensibilität. Ich kann manchmal kein Papier angreifen, vor allem mit feuchten Fingern. Das gruselt mich richtig.

Für eine Ghostwriterin eher ungünstig. Dafür habe ich das papierlose Arbeiten perfektioniert. iPad, Tablet, digital. Funktioniert wunderbar, auch in Workshops und Lehrgängen. Aber zurück zum Thema.

Moni:
Ein Nachteil von Hörbüchern ist ganz klar: Nicht alle Bücher gibt es als Hörbuch. Ein Vorteil ist aber, dass man bei Fremdsprachen sehr viel lernt. Vor allem beim Verstehen. Wobei Akzente durchaus herausfordernd sein können.

Lisa:
Ich habe kürzlich das neue Buch von Louise Penny gehört. Eine frankokanadische Serie mit einem frankokanadischen Sprecher. Das war zuerst ungewohnt, aber dann sehr angenehm.

Moni:
Beim Lesen fällt der Akzent natürlich weg. Aber ich finde Akzente beim Hören oft sehr charmant. Wenn sie gut gemacht sind.

Lisa:
Gerade wenn Sprecher:innen unterschiedliche Figuren gut hörbar machen. Das fehlt beim Lesen, da passiert alles im Kopf.

Moni:
Dafür kannst du mich beim Lesen jederzeit unterbrechen.
Beim Hören muss man ständig auf Pause drücken.

Lisa:
Ein großer Nachteil von Hörbüchern ist der Akku. Wenn der leer ist, ist Schluss. Oder wenn man in der Pampa kein Netz hat und vorher nichts heruntergeladen wurde. Notizen machen ist auch schwieriger. Wobei ich tatsächlich schon beim Spazierengehen stehen geblieben bin, um etwas zu notieren.

Moni:
Bei Sachbüchern mache ich mir sehr gern Notizen. Und da ziehe ich tatsächlich das E-Book dem gedruckten Buch vor. Ich tue mir schwer, in Bücher hineinzuschreiben. Auch wenn sie dafür gedacht sind.

Lisa:
Ich lese übrigens immer mit meiner eigenen inneren Stimme. Das ist ein Vorteil beim Lesen. Beim Hören bist du auf die Stimme der Sprecherin oder des Sprechers angewiesen. Und da bin ich extrem heikel.

Moni:
Oh ja. Viele Hörbücher sind für mich schlicht nicht anhörbar. Schlechte Betonung, pathetisches Lesen oder Stimmen, die gar nicht passen.

Lisa:
Und Dialekte können schwierig sein. Wiener Krimis mit bundesdeutschen Sprecher:innen sind für mich oft kaum erträglich.

Wobei es großartige Ausnahmen gibt. Die Totengräber-Krimis zum Beispiel. Absolute Empfehlung. Historisch, spannend, Wien zur Zeit von Kaiser Franz Joseph. Wirklich lesenswert oder hörenswert.
Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Bleiben wir bei der Praxis. Woher bekommst du eigentlich deine Bücher? Du liest ja absurd viel.

Moni:
Kindle Unlimited. Ganz klar. Ich habe ein Abo und leihe mir Bücher aus. Viele davon sind leider Schrott, vor allem inzwischen durch KI-Texte. Aber das erkenne ich meist nach ein paar Seiten und gebe das Buch einfach zurück.

Wenn mir etwas wirklich gefällt, kaufe ich es natürlich auch.

Lisa:
Ich höre hauptsächlich über Audible. Ein Buch pro Monat ist im Abo dabei, dazu viele kostenlose Titel. Man muss nur genau schauen.

Und ja, YouTube ist auch eine Quelle. Moralisch ein Graubereich. Aber wenn man so viele Bücher kauft wie wir, darf man auch einmal pragmatisch sein.
Fazit?

Moni:
Hören oder Lesen ist individuell. Manche machen beides, je nach Situation. Zu Hause lesen, im Auto hören. Bitte nicht umgekehrt.

Beides hat Vor- und Nachteile. Beides hat seine Berechtigung. Wichtig ist, herauszufinden, was für dich passt.

Lisa:
In diesem Sinne: Geh lesen oder hören.

Beide:
Tschüss.