
The Write Way Podcast Folge 16: Lektorat – wer braucht das schon?
Willkommen zur sechzehnten Folge unseres The Write Way Podcasts. Heute mit einem wirklich spannenden Thema: Lektorat. Wer braucht das schon?
Wie ihr euch wahrscheinlich denkt: Diese Folge gäbe es nicht, wenn wir es nicht bräuchten. Kleiner Spoiler vorweg.
In dieser Folge schauen wir uns an:
den Unterschied zwischen Korrektorat und Lektorat
wozu wir das überhaupt brauchen
und worauf du achten solltest, wenn du eine Lektorin oder einen Lektor suchst
Fangen wir ganz vorne an. Wir sagen oft „wir lassen etwas lektorieren“. Aber was passiert da eigentlich wirklich?
Kurz gesagt: Es gibt verschiedene Stufen, wie man ein fertiges Manuskript noch bearbeiten kann. Korrektorat, Lektorat, Editing und alles dazwischen.
Starten wir mit dem Korrektorat.
Moni, was passiert da?
Moni:
Beim Korrektorat liegt der Fokus auf Grammatik, Rechtschreibung, Zeichensetzung, Silbentrennung und Syntax, also dem Satzbau.
Bei der Grammatik geht es zum Beispiel darum, ob die Zeiten stimmen oder ob wild zwischen Gegenwart und Vergangenheit gewechselt wird. Auch falsche Fälle fallen hier sehr oft auf.
Dann natürlich Rechtschreibung. Tippfehler, Buchstabenverdreher, fehlende Buchstaben. Dinge, die Autor:innen eigentlich wissen, aber beim Schreiben einfach übersehen.
Groß- und Kleinschreibung ist auch so ein Klassiker. Und das leidige Thema Zusammenschreiben oder Getrenntschreiben. Durch die Rechtschreibreformen ist das für viele von uns, die nicht mehr ganz taufrisch aus der Schule sind, wirklich schwierig.
Lisa:
Also quasi noch Jugendliche.
Moni:
Genau.
Und dann die Zeichensetzung. Beistriche, Kommas, Satzzeichen generell. Meistens gibt es zu viele, zu wenige oder sie stehen an der falschen Stelle. Besonders bei direkter Rede ist das ein großes Thema.
Lisa:
Das Ziel des Korrektorats ist also, den Text orthografisch so fehlerfrei wie möglich zu machen.
Das ist bei uns im Lehrgang übrigens ein absolutes Minimum. Texte, die nicht zumindest korrekturgelesen sind, gehen bei uns nicht raus.
Bei Kund:innen gehe ich sogar noch einen Schritt weiter. Meine eigenen Bücher lasse ich fast immer lektorieren. Und damit sind wir schon beim nächsten Punkt.
Moni, magst du erklären, was ein Lektorat ist?
Moni:
Sehr gern.
Das Lektorat geht deutlich weiter als das Korrektorat. Es geht nicht nur um Fehler, sondern um Fragen wie:
Ist der Text verständlich?
Passt der Stil?
Gibt es inhaltliche Lücken oder Logikfehler?
Gibt es einen roten Faden?
Manchmal fehlen Informationen. Manchmal sind es zu viele. Manchmal heißt eine Figur plötzlich anders. Das passiert öfter, als man denkt.
Lisa:
Wäre mir natürlich noch nie passiert.
Moni:
Stilistisch wird auch geschaut: Liest sich der Text gut? Nicht um den Stil der Autorin oder des Autors zu verändern, sondern um ihn besser lesbar zu machen. Oft reichen kleine Umstellungen, die man selbst gar nicht mehr sieht.
Ein ganz wichtiger Punkt ist außerdem die Verständlichkeit. Und das große Ziel ist, den Text sprachlich, inhaltlich und stilistisch zu verbessern.
Lisa:
Ein Aspekt wird fast nie erwähnt, ist aber extrem wichtig: die Sprachmelodie.
Wenn ein Text nur aus gleich langen Sätzen besteht, steigst du spätestens nach dem dritten Satz aus.
Gute Texte haben Rhythmus. Mal kurz, mal länger. Mal ruhig, mal dynamisch.
Lektor:innen greifen hier oft ein, legen Sätze zusammen oder trennen sie, je nachdem, was dem Text gut tut.
Moni:
Zwischen Korrektorat und Lektorat gibt es übrigens auch Zwischenformen. Zum Beispiel ein erweitertes Korrektorat. Das kann heißen: Rechtschreibung plus ein Blick auf den roten Faden. Oder ein Check der Figuren. Das muss man im Detail abklären.
Lisa:
Und manchmal reicht auch das nicht. Dann braucht es Editing.
Vor allem, wenn die Struktur nicht stimmt oder das Ziel des Buches unklar ist.
Moni:
Editing geht noch weiter. Da wird wirklich tief in Struktur, Aufbau, Argumentationslogik, Erzähltempo und Perspektive eingegriffen. Das ist eine sehr umfassende Arbeit.
Lisa:
Die große Frage ist jetzt: Woher weißt du, was du brauchst?
Korrektorat ist immer Pflicht. Du siehst deine eigenen Fehler nicht. Niemand sieht sie.
Im Idealfall klärst du mit der Lektorin oder dem Lektor genau ab, was du brauchst, wie gearbeitet wird und was das kostet.
Moni:
Deshalb unbedingt ein schriftliches Angebot einholen. Klar formuliert, mit Leistungsumfang.
Und schick Probeseiten. Damit sich beide Seiten ein Bild machen können.
Aber Achtung: Wenn jemand dein ganzes Manuskript analysieren soll, ist das keine kostenlose Leistung.
Lisa:
Unbedingt.
Und ja, bitte nutze auch Rechtschreibprogramme als Vorbereitung. Sie ersetzen kein professionelles Lektorat, aber sie filtern die gröbsten Fehler raus und machen alles ein bisschen günstiger.
Moni:
Professionelle Lektor:innen erkennt man nicht daran, dass sie „irgendwas mit Deutsch“ gemacht haben. Sondern an Referenzen, klaren Angeboten, Genrekenntnis und sauberer Arbeitsweise.
Wir haben leider schon erlebt, dass die falsche Wahl ein eigentlich gutes Buch massiv beschädigt hat.
Lisa:
Auch der Titel „Verlagslektor:in“ ist kein Qualitätsgarant. Probeseiten sind Gold wert.
Perfekte Bücher gibt es nicht, aber es macht einen Unterschied, ob ein Fehler irgendwo versteckt ist oder dir gleich auf Seite eins ins Gesicht springt.
Moni:
Ganz wichtig: Korrektoratsänderungen werden angenommen. Punkt.
Beim Lektorat wird diskutiert, kommentiert, entschieden. Aber Korrektorat ist keine Verhandlung.
Lisa:
Nach dem Lektorat bitte nichts mehr ändern. Gar nichts.
Moni:
Sonst entsteht Chaos.
Nachträgliche Änderungen machen alles teurer und fehleranfälliger. Im Idealfall geht ein Manuskript erst dann ins Lektorat, wenn es wirklich fertig ist.
Lisa:
Danach kommt noch das Endlektorat. Das ist die Kontrolle des druckfertigen PDFs. Am besten durch jemand anderen als zuvor. Da geht es um Layoutfehler, letzte Tippfehler und formale Dinge. Nicht darum, den Text neu zu schreiben.
Moni:
Und auch hier gilt: Je weniger geändert werden muss, desto besser.
Lisa:
Zusammenfassung:
Korrektorat ist Pflicht.
Lektorat dringend empfohlen.
Angebote schriftlich klären.
Probeseiten machen.
Nach dem Lektorat nichts mehr ändern.
Und bitte: Lektor:innen gehören ins Impressum.
Moni:
Und wenn ihr viel Rot im Dokument seht: nicht persönlich nehmen. Das heißt nur, dass jemand gut gearbeitet hat.
Lisa:
Unsere Texte sind übrigens auch immer komplett rot.
Falls ihr keine passende Lektorin habt, meldet euch gern. Wir haben ein sehr gutes Netzwerk.
So. Jetzt hören wir wirklich auf.
Lisa Keskin:
Tschüss.



