
The Write Way Folge 29: Dein Sachbuch – Bestseller oder best Seller?
Lisa Keskin:
Herzlich willkommen zur neunundzwanzigsten Folge des The Write Way Podcasts.
Heute mit einem Thema, das immer wieder für große Augen sorgt:
Dein Sachbuch: Bestseller oder Best Seller?
Wir schauen uns heute an:
Was ist überhaupt ein Bestseller?
Machen Bestseller reich?
Was bedeutet Bestseller bei Amazon?
Und was ist der Unterschied zwischen einem echten Bestseller und einem zusammengeschriebenen Bestseller?
In letzter Zeit höre ich ja immer öfter von Bestseller-Garantien.
Und davon, dass Bücher in drei Wochen fertig sein sollen. Möglichst schnell, damit niemand anderer schneller ist als du.
Ganz ehrlich: Ein richtig gutes Buch kann nicht in drei Wochen entstehen.
Oder?
Moni:
Nein. Außer du hast die komplette Vorarbeit schon gemacht, alles geschrieben, brauchst nur noch ein E-Book und findest extrem schnelle Dienstleister. Dann ist es theoretisch machbar. Sinnvoll ist es trotzdem nicht.
Bis ein Buch wirklich professionell umgesetzt ist, passiert extrem viel. Darüber haben wir ja schon in früheren Folgen gesprochen.
Lisa:
Also zurück zum Begriff Bestseller.
Es gibt nämlich keine einheitliche Definition.
Ein Buch gilt dann als Bestseller, wenn es in einem relevanten Ranking innerhalb eines bestimmten Zeitraums überdurchschnittlich hohe Verkaufszahlen erreicht.
Die konkrete Zahl gibt es nicht, weil sie stark variiert. Je nach Land, Medium und Liste.
Bekannte Beispiele sind die Spiegel-Bestsellerliste oder die New York Times Bestsellerliste. Jede davon hat eigene Kriterien.
Es geht dabei um
den Zeitraum
das Format, also Print, E-Book oder Hörbuch
und die Verkaufsquelle, also stationärer Handel oder Onlinehandel.
Zusammengefasst: Ein Buch ist dann ein Bestseller, wenn es sich überdurchschnittlich gut verkauft.
In Deutschland können das zum Beispiel fünf- bis zehntausend verkaufte Exemplare in kurzer Zeit sein. In den USA zehn- bis fünfzehntausend. Das klingt viel, ist es aber eigentlich nicht.
Und das bringt uns zur großen Frage:
Macht ein Bestseller reich?
Moni:
Leider nein. Zumindest in den allermeisten Fällen nicht.
Bei klassischen Verlagsverträgen bekommen Neuautorinnen und Neuautoren im Schnitt etwa einen Euro pro verkauftem Buch. Manchmal ein bisschen mehr, manchmal weniger.
Selbst wenn du fünfundzwanzigtausend Bücher verkaufst, kommt am Ende eine nette, aber keine lebensverändernde Summe heraus. Vorauszahlungen von Verlagen ändern daran wenig.
Gerade Sach- und Businessbücher verkaufen sich oft nur ein paar hundert bis maximal tausend Mal pro Jahr.
Lisa:
Also weder Ponyhof noch Schreibklause in der Karibik. Auch kein kleines Chalet in Südfrankreich mit Meerblick.
Schade eigentlich.
Eine amerikanische Ghostwriterin hat kürzlich gesagt, dass in den USA siebentausend verkaufte Bücher bereits extrem viel sind. Es gibt ein paar massive Ausreißer, wie Der Hobbit, der über hundertvierzig Millionen Mal verkauft wurde.
Aber nur weil etwas viel verkauft wird, heißt das nicht, dass es auch viel gelesen wird. Ich sage nur: Bibel.
In letzter Zeit springt einem trotzdem immer öfter das Label „Bestsellerautor:in“ entgegen.
Wie geht das?
Ein Stichwort lautet: Amazon.
Moni:
Bei Amazon funktioniert das System ganz anders. Dort gibt es einen sogenannten Sales Rank und die berühmte orangefarbene Bestseller-Badge.
Dieser Rang hängt stark von der gewählten Kategorie und Unterkategorie ab. Mit etwas Taktik kann man relativ leicht Amazon-Bestseller werden.
Teilweise reichen dafür schon sehr wenige Verkäufe.
Lisa:
Für Qualität oder Renommee ist damit aber nichts garantiert.
Viele Bücher erscheinen dort ohne Lektorat, ohne sauberes Cover, ohne Qualitätssicherung. Das sieht man leider oft.
Die Tantiemen sind zwar höher, wenn man direkt über Kindle Direct Publishing veröffentlicht, aber das macht noch keinen Bestseller im klassischen Sinn.
Zusammengefasst:
Amazon-Bestseller ist nett.
Aber weder besonders lukrativ noch besonders prestigeträchtig.
Freuen darf man sich trotzdem. Ob man es groß auf LinkedIn dazuschreibt, ist Geschmackssache.
Jetzt zur wirklich spannenden Frage:
Wie verdiene ich gutes Geld mit meinem Buch?
Moni:
Indem nicht du dein Buch verkaufst, sondern dein Buch dich verkauft.
Lisa:
Genau. Und das ist der Punkt, an dem ein Sachbuch wirklich stark wird.
Das setzt gute Vorarbeit voraus. Strategie. Ehrlichkeit. Einfühlungsvermögen. Authentizität. Und ja, das Wort geht.
Wir sind längst weg von aggressivem Verkaufsdruck, Angstmarketing oder künstlicher Verknappung. Das funktioniert immer schlechter.
Wir wollen Kundinnen und Kunden, die freiwillig kommen.
Die mit uns arbeiten wollen.
Mit denen sich Zusammenarbeit gut anfühlt.
Und genau dafür ist ein Buch perfekt.
Was kann dein Buch also konkret für dich tun?
Erstens: Es kann deine Visitenkarte sein.
Eine Visitenkarte landet oft in irgendeiner Lade. Ein Buch nicht. Ein Buch bleibt. Wird weitergegeben. Wird gesehen.
Zweitens: Du kannst es als Give-away nutzen.
Bei Vorträgen, Workshops oder Seminaren.
Oder du rechnest es direkt in den Preis ein und schenkst es her. Menschen lieben Geschenke.
Wir kennen mehrere Fälle, in denen genau das den Ausschlag gegeben hat, warum Workshops ausgebucht waren.
Moni:
Drittens: Dein Buch kann ein Türöffner sein.
Zum Beispiel in der Akquise. Buch hinschicken, danach telefonieren. Funktioniert erstaunlich gut.
Lisa:
Viertens: Dein Buch kann die Basis für mehr sein.
Für Podcasts. Masterclasses. Onlineprogramme. Vorträge.
Das Buch ist dann die Einstiegsdroge. Niederschwellig. Persönlich. Vertrauensbildend.
Und ja, es gibt auch die Variante, das Buch gegen Portokosten zu verschenken.
Das muss man mögen. Unser Zugang ist es nicht. Aber es funktioniert für manche.
Moni:
Wichtig ist: Dein Buch muss Substanz haben.
Kein lieblos zusammengeschustertes Marketingprodukt.
Ein gutes Buch spürt man.
Lisa:
Zusammengefasst:
Dein Buch wird dann zum Bestseller, wenn du dich von der romantischen Vorstellung verabschiedest, allein vom Buchverkauf leben zu können.
Wenn du dein Buch als deinen persönlichen Verkaufsagenten einsetzt, der für dich arbeitet, während du das tust, was du wirklich gut kannst, dann hast du alles richtig gemacht.
Das ist der eigentliche Bestseller.
Moni:
Und damit hören wir jetzt auf, bevor es eskaliert.
Lisa:
Gute Idee.
Bis zum nächsten Mal. Tschüss.


