
The Write Way Folge 27: Wie werde ich Ghostwriter?
Hallo und herzlich willkommen zur siebenundzwanzigsten Folge des The Write Way Podcasts.
Heute mit einem Thema, das uns immer wieder begegnet und für viele extrem spannend ist: Wie werde ich Ghostwriter?
Wir treffen regelmäßig Menschen, deren großer Traum es ist, vom Schreiben zu leben. Bücher für andere zu schreiben oder sie beim Schreiben zu begleiten. Und fast immer kommt dann dieselbe Frage:
Lisa, wie wird man eigentlich Ghostwriter?
Die ehrliche Antwort lautet: ganz unterschiedlich.
Ich erzähle euch einfach meinen Weg.
Ich schreibe, seit ich schreiben kann. Wirklich. Seit ich denken kann, habe ich geschrieben. Ich habe Ausbildungen in Richtung Werbedesign und Werbetexten gemacht, viele eigene Bücher geschrieben und veröffentlicht. Die müsst ihr übrigens nicht suchen. Die sind unter Pseudonym erschienen und gehören eindeutig zur Erwachsenenliteratur.
Irgendwann saß ich in einem Business Coaching und bekam dort einen Impuls:
Warum schreibst du eigentlich keine Bücher für andere?
Ich fand das eine großartige Idee. Bin nach Hause gegangen, habe eine Nacht durchgemacht, mir eine Webseite gebaut und mich auf Social Media als Ghostwriterin präsentiert. Und relativ schnell kamen tatsächlich die ersten Anfragen und Aufträge.
Und nein, ich war damals noch nicht wirklich gut. Mir hat schlicht die Übung gefehlt. Es gab viele Umwege, viele Nasenfleckerl und sehr viel Learning by doing. Aber die Aufträge wurden mehr. Irgendwann so viele, dass ich gar nicht mehr wusste, wie ich alles unterbringen soll.
Bevor ihr jetzt aber den Podcast abdreht, eure Jobs kündigt und eure Webseite bestellt: bitte weiter zuhören.
Das ist schon einige Zeit her. Und seitdem hat sich einiges verändert.
Der Markt ist größer geworden. Der Wettbewerb auch. Es laufen heute viele Menschen herum, die meinen, sie wären Ghostwriter. Aber keine Sorge. Verzweifeln braucht ihr trotzdem nicht. Wir stehen ja erst am Anfang dieser Folge.
Damals kamen auch immer wieder Anfragen zu Themen, mit denen ich überhaupt nichts anfangen konnte. Buchhaltung zum Beispiel.
Und in meinem Umfeld gab es einige Menschen, die gesagt haben: Dein Job ist so toll, das möchte ich auch machen.
In meiner Naivität habe ich versucht, Aufträge weiterzugeben. Nach dem Motto:
„Du, da ist jemand, der möchte ein Buch über Buchhaltung schreiben, willst du das übernehmen?“
Mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.
Die einen haben Panik bekommen.
Die nächsten haben abgesagt.
Und wieder andere haben gesagt: Das traue ich mir nicht zu.
Daraufhin haben Moni und ich beschlossen, selbst Ghostwriter:innen auszubilden. Das machen wir jetzt seit sechs Jahren. Und es funktioniert sehr gut.
Und nein, das hier wird kein Werbepodcast. Wir erzählen euch einfach unseren Weg. Also sozusagen The Write Way.
Natürlich gibt es auch andere Möglichkeiten, um ins Ghostwriting einzusteigen.
Der erste Schritt ist immer: Überleg dir, in welche Richtung du überhaupt gehen möchtest.
Belletristik, Sachbuch, Fachbuch oder Biografien?
Je nach Bereich brauchst du ganz unterschiedliche Fähigkeiten.
Im belletristischen Bereich ist finanziell nicht besonders viel zu holen. Da geht es meist um Lektorat oder Editing. Dafür brauchst du eine sehr hohe sprachliche Sicherheit. Die ist nicht verhandelbar.
Sachbücher und Ratgeber sind handwerklich erlernbar. Schreiben ist Talent, aber auch Handwerk. Es gibt Regeln, Strukturen und Genres, die man kennen sollte, damit ein Buch auch wirklich funktioniert. Das kann man über Kurse, Bücher und viel Praxis lernen.
Fachbücher sind noch einmal etwas anderes. Da ist eine akademische Vorbildung oft sinnvoll. Ich zum Beispiel schreibe keine Fachbücher. Auch wenn es Ausnahmen gibt.
Biografien wiederum erfordern vor allem eines: sehr gut zuhören können.
Hier geht es um persönliche, emotionale Themen. Und darum, das Wichtige vom Unwichtigen zu trennen. Einerseits für die erzählende Person, andererseits für die Leser:innen. Denn ein ganzes Leben ist selten durchgehend spannend. Das muss man gut erzählen können.
Aber Schreiben allein reicht nicht.
Moni:
Absolut. Schreiben ist nur ein Teil dessen, was man als Ghostwriter können muss.
Dazu kommen der Umgang mit Kund:innen, Interviewtechnik, Kommunikation, Diskretion, Projektmanagement und Organisation.
Wie empfange ich meine Kund:innen?
Wie führe ich ein gutes Interview?
Wie stelle ich die richtigen Fragen?
Wie kommuniziere ich meinen Arbeitsprozess?
Zum Beispiel: Wenn ich weiß, dass ich am Anfang eines Projekts Zeit brauche, um mich einzugrooven, dann muss ich das sagen. Wenn ich aber eine Anzahlung kassiere und mich monatelang nicht melde, wird das schwierig.
Lisa:
Ein weiterer wichtiger Punkt ist der Stil. Das Buch soll nicht in deinem Stil geschrieben sein, sondern im Stil der Kundin oder des Kunden.
Ein bisschen von dir ist immer drin. Aber es darf nicht auffallen.
Dazu kommen administrative Themen. Gewerberecht, Steuern, Sozialversicherung, Urheberrecht, Verträge, Rechnungslegung, Zahlungsmodalitäten, Datenschutz.
Und Datenschutz heißt nicht nur DSGVO. Es heißt auch: Was ich bei einem Glas Wein im Kaffeehaus erzähle oder eben nicht. Alles, was Kund:innen mir anvertrauen, bleibt bei mir. Punkt.
Moni:
Ein Netzwerk ist ebenfalls essenziell. Kolleg:innen aus dem Ghostwriting, aber auch Lektorat, Korrektorat, Grafik, Layout. Mit all diesen Menschen muss man gut zusammenarbeiten können.
Und dann ist da noch das Buchprojektmanagement. Ein Buch ist ein Projekt. Mit Deadlines, Meilensteinen und Verantwortlichkeiten.
Gerade wenn man Projekte von der Idee bis zur Veröffentlichung begleitet, muss man den Überblick behalten und auch die Kund:innen in die Verantwortung holen.
Lisa:
Und bitte, bitte: Urheberrecht.
Einfach Texte, Fotos oder Artikel übernehmen geht nicht. Auch wenn Kund:innen das manchmal vorschlagen.
Zum Schluss noch ein kleiner Reality-Check.
Es gibt Menschen, die sagen: Ich mache das jetzt einfach. Ohne Ausbildung, ohne Vorbereitung, zu Dumpingpreisen.
Kann man machen.
Sollte man vielleicht nicht.
Das ist schlecht für den Markt. Und schlecht für einen selbst. Viel Arbeit, wenig Geld, hohe Überforderung. Und im schlimmsten Fall bleibt eine enttäuschte Kundin mit einem halbfertigen Manuskript zurück.
Moni:
Der wichtigste Punkt zum Abschluss: Liebe zur Sprache. Sprachgefühl. Und ein gewisses Maß an Talent.
Viele Fähigkeiten, die man sich im Laufe des Lebens angeeignet hat, lassen sich ins Ghostwriting übertragen. Kommunikation, Coaching, Organisation, Mentaltraining, Resilienz. All das hilft.
Lisa:
Zusammengefasst:
Wie wird man Ghostwriter?
Indem man sich gut ausbildet.
Eigene Bücher schreibt.
Viele Bücher liest.
Feedback von Profis holt.
Und übt, bevor man loslegt.
Der Markt ist groß genug für uns alle. Wenn wir ihn nicht mit Hauruckaktionen und mangelnder Seriosität kaputtmachen.
Und wenn dir das alles zu mühsam ist: Du weißt mittlerweile, wo unsere Webseite wohnt.
Beide:
Tschüss und bis zum nächsten Mal.



