The Write Way Folge 26: Richtig Schluss machen

Hallo und herzlich willkommen zur Folge sechsundzwanzig des The Write Way Podcasts.
Und heute geht es ums richtig Schluss machen.

Richtig Schluss machen ist ja generell eine Kunst. Macht man es per SMS, per Brief oder persönlich, ist es meistens falsch. Schriftlich sowieso nicht, telefonisch auch nicht. Aber darüber reden wir heute nicht.

Was wir meinen, ist: Wie macht man mit einem Buch richtig Schluss?

Moni, wann ist es denn Zeit, Schluss mit einem Buch zu machen?

Moni:
Am besten dann, wenn es fertig ist.

Lisa:
Das klingt jetzt salopp und vielleicht ein bisschen deppert, aber genau so ist es. Die eigentliche Kunst liegt darin zu erkennen, wann ein Buch wirklich fertig ist.

Und genau da tauchen dann Ängste auf, Muster, Glaubenssätze und allerlei innere Widerstände. Moni, dazu kannst du sicher mehr sagen.

Moni:
Ja. Die Erfahrung zeigt: Je weiter ein Buch fortgeschritten ist, desto mehr Zweifel kommen.
Ist es gut genug?
Kann ich überhaupt schreiben?
Was, wenn ich schlechtes Feedback bekomme?
Oder eine miese Rezension?
Was, wenn jemand meine Expertise infrage stellt?

Bei Sachbüchern kommt oft dazu: Ist der Zugang vielleicht zu simpel? Oder zu kompliziert? Habe ich wirklich alles gesagt?

Und dann kommen ganz andere Fragen:
Habe ich alle erwähnt, die mir wichtig sind?
Meine Familie?
Kolleg:innen?
Geschäftspartner:innen?

Das sind alles Fragen, die auftauchen, wenn man ein Buch abschließen möchte. Und ja, sie sind berechtigt. Vor allem dann, wenn die Vorarbeit nicht gründlich genug war.

Lisa:
Genau deshalb ist es so wichtig, sich schon vor dem Start eines Buchprojekts zu überlegen:
Wohin soll das Buch eigentlich gehen?
Was ist die Kernbotschaft?
Welche Themen gehören hinein und welche nicht?
Und wie bringe ich das Ganze in eine klare, nachvollziehbare Struktur?

Ein guter roter Faden ist kein Luxus, sondern notwendig.

Moni:
Da bin ich ganz bei dir. Für mich ist der wichtigste Punkt wirklich die Kernbotschaft. Wenn die klar ist, weißt du auch, wann du fertig bist.

Dann ersparst du dir endloses Bla-bla, weil du weißt, worauf du hinauswillst. Ein Buch muss keine dreihundert Seiten haben. Das liest heute kaum noch jemand.

Lisa:
Unsere Aufmerksamkeitsspanne ist ungefähr die eines faulen Goldfisches.

Ich habe kürzlich ein Buch gehört, das inhaltlich spannend gestartet ist. Tolles Storytelling, gute Ideen. Aber zwei Drittel des Buches waren Wiederholungen. Irgendwann war es einfach nur noch zach.

Wiederholungen sind wichtig, damit sich Dinge festigen. Aber bitte mit Maß und Ziel. Zu viele Wiederholungen verwässern die Geschichte.

Moni:
Und da sind wir wieder bei der Kernbotschaft und beim roten Faden. Die Kernbotschaft ist das Dach. Alles andere ordnet sich darunter ein.

Dazu kommt: Für wen schreibst du?
Was sollen Leser:innen aus dem Buch mitnehmen?
Welchen Nutzen, welchen Mehrwert?
Und was ist dein Ziel?

Wenn das klar ist, fällt das Schlussmachen leichter. Gar nicht so anders als in Beziehungen.

Lisa:
Wobei selbst dann die Frage kommt: Ist es gut genug? Bin ich gut genug? Habe ich wirklich alles gesagt?

Und jetzt kommt mein großer Geheimtipp:
Es wird niemals alles gesagt sein.

Sobald du fertig bist, würdest du sowieso alles anders machen. Ich schaue übrigens in keines meiner Bücher jemals wieder hinein. Wirklich nie. Ich möchte es gar nicht wissen.

Moni:
Es gibt aber auch das Gegenteil. Gerade bei Folgebüchern mit harter Deadline wird der Schluss manchmal husch-pfusch fertiggemacht. Hauptsache draußen.

Dann hast du ein gutes Buch und ein schwaches Ende. Und das ist richtig schade.

Lisa:
Ich habe da leider ein aktuelles Beispiel. Ich nenne keine Namen. Ein Thriller eines Autors, den ich eigentlich sehr mag. Die ersten Kapitel waren großartig. Und dann wurde es immer unlogischer.

Lose Enden, irrelevante Details, Dinge, die nie aufgelöst wurden. Am Schluss hatte ich das Gefühl, der Autor wusste selbst nicht mehr, wie er das Buch beenden soll. Also wurde es besonders mysteriös. Aber schlecht.

Das ist bitter. Vor allem, wenn man weiß, wie viel Potenzial da gewesen wäre.

Moni:
Und das wirkt sich aus. Auf Leser:innen. Auf Rezensionen. Und darauf, ob man das nächste Buch kauft.

Es gibt Studien, die zeigen, dass bei Erlebnissen drei Punkte besonders im Gedächtnis bleiben:
der Anfang
ein Highlight
und der Abschluss

Das gilt auch für Bücher. Der Anfang zieht hinein. Ein Highlight berührt. Und der Schluss bleibt hängen.

Lisa:
Und genau deshalb ist der Schluss so wichtig. Wenn das Buch großartig ist, aber das Ende schlecht, dann bleibt leider das schlechte Ende im Gedächtnis.

Ich finde, ein Buch ist dann gut gelungen, wenn man es zuklappt oder ausschaltet und sich denkt: Schade, dass es vorbei ist.
Wenn man innerlich noch in der Geschichte lebt.

Das gilt übrigens auch für Sachbücher und Ratgeber.

Moni:
Und im Idealfall sucht man danach gleich nach weiteren Büchern der Autorin oder des Autors. Das mache ich jedenfalls so.

Lisa:
Wenn man sich fragt, wann es Zeit ist, Schluss zu machen, dann gilt:
Nicht dann, wenn dir das Buch auf die Nerven geht.
Aber dann, wenn du deine Botschaft gesagt hast.

Wenn du noch ein Kapitel anhängen willst, nur weil du glaubst, jemanden vergessen zu haben, dann lass es. Irgendwer fühlt sich ohnehin immer gemeint oder nicht gemeint.

Wenn du kalte Füße bekommst, weil du deine Meinung gesagt hast, oder Angst hast, nicht alles erklärt zu haben, dann hol dir professionelle Hilfe. Bevor du dein Buch aus Panik verschlimmbesserst.

Breaking up is hard to do. Aber tu es trotzdem.

Moni:
Um gut Schluss machen zu können, muss davor vieles passen. Vorbereitung, Kernbotschaft, ein guter Schreibprozess.

Nicht hudeln, aber auch nicht schleifen lassen. Regelmäßig schreiben. Wenn dann die Frage auftaucht, ob es fertig ist, meldet sich oft der Perfektionismus.

Spoiler: In jedem Buch ist mindestens ein Fehler. Es gibt keine fehlerfreien Bücher.

Und bitte: Vergleiche dich nicht mit anderen. Dein Buch ist einzigartig, weil es von dir ist. In deinem Stil. Und das reicht.

Lisa:
Wenn alles gesagt ist, was du sagen wolltest, und zwar so, dass andere es verstehen, dann kannst du dein Buch veröffentlichen.

In diesem Sinne: Haut in die Tasten.
Bis zum nächsten Mal.