The Write Way Folge 25: dein eigenes Hörbuch

Lisa Keskin:
Hallo und herzlich willkommen zur fünfundzwanzigsten Folge des The Write Way Podcasts.
Heute zum ersten Mal mit einem Gast. Wobei, eigentlich ist er gar kein Gast, sondern unser Gastgeber.

Wir sitzen nämlich in seinem wunderschönen Tonstudio im dreizehnten Bezirk in Wien.
Ich begrüße Bernd Kronowetter. Oder eigentlich sollte er mich begrüßen, denn wir sind ja bei ihm.
Bernd, schön, dass ich da sein darf und danke für die Einladung.

Bernd Kronowetter:
Ich freue mich sehr. Ich sitze heute ausnahmsweise im Aufnahmeraum und nicht im Regieraum. Das ist für mich eher ungewohnt, aber eigentlich auch eine ziemlich coole Situation.

Lisa:
Für mich auch. Das ist mein erstes Mal in einem professionellen Tonstudio.
Wenn ich mich so umschaue, könnte es fast ein SM-Studio sein. Es ist sehr schwarz, Dinge hängen von den Wänden …

Bernd:
Ich möchte das gleich aufklären. Das sind Mikrofone, Kopfhörer und technische Geräte.
Es gibt hier keine Handschellen, keine Fesseln und sonst nichts Fragwürdiges. Wir sind absolut safe.

Lisa:
Ihr könnt also beruhigt weiterhören. Es passiert nichts, was nicht jugendfrei wäre.
Aber Bernd, magst du dich kurz vorstellen?

Bernd:
Gerne. Ich bin Bernd Kronowetter, ursprünglich gelernter Sänger. Ich habe Operngesang studiert und war einige Zeit als Opernsänger unterwegs. Dann habe ich gemerkt, das ist nicht ganz mein Weg, und bin ins A-cappella-Genre gewechselt.

Mit der Formation Main Street war ich rund zehn Jahre im deutschsprachigen Raum auf Tour.
2008 hatte ich dann genug von der Bühne und habe ab 2009 begonnen, das Tonstudio Musikdesign aufzubauen.

Heute produzieren wir unterschiedlichste Projekte. Musik mit Schwerpunkt Gesang, viel für den Theaterbereich, Hörbücher, Podcasts und auch Hörspiele für Kinder und Erwachsene. Und da sitzen wir jetzt.

Lisa:
Eigentlich wollte ich dich ja fragen, wie das mit Hörbüchern ist. Aber jetzt hast du mich mit Operngesang gekriegt.

Bernd:
Star war ich keiner. Aber ja, Oper, Festspiele, dann A-cappella. Das war kreativer, freier. Das hat mir mehr getaugt.

Lisa:
Also werde ich dich jetzt nicht zu einem Gesangsauftritt überreden können?

Bernd:
Nein, das Kapitel ist abgeschlossen.

Lisa:
Schade. Wobei, schade ist eher, dass Moni heute nicht da sein kann.
Für alle Hörerinnen und Hörer: Moni ist heute mit einem dringenden Abgabetermin beschäftigt. Beim nächsten Podcast ist sie wieder dabei.

Dann reden wir jetzt über Hörbücher.
Stell dir vor, ich habe ein Buch geschrieben und möchte daraus ein Hörbuch machen. Wie gehen wir das an?

Bernd:
Grundsätzlich gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder du liest das Buch selbst ein oder du lässt es von einer professionellen Sprecherin oder einem professionellen Sprecher lesen.

Was sinnvoll ist, hängt stark vom Genre ab.
Sachhörbuch, Business-Thema, Roman, Schicksalsbericht – das macht einen großen Unterschied.

Bei Romanen oder Krimis würde ich klar zu Profis raten. Da merkt man sehr schnell, ob jemand Sprechroutine hat oder nicht.
Bei Sachbüchern oder sehr persönlichen Geschichten kann es wiederum extrem stimmig sein, wenn die Autorin oder der Autor selbst spricht. Das wirkt oft authentischer.

Man muss dafür kein Profi sein, aber Vorbereitung ist wichtig. Wir arbeiten hier mit verschiedenen Sprechtrainer:innen zusammen. Zum Beispiel mit Dieter Geschwendt-Michel, der auch an der SAE unterrichtet. Oder mit Bettina Reifschneider, Atemtrainerin, wenn es um Stimme, Präsenz und Technik geht.

Bei Hörspielen oder Romanen mit vielen Figuren ist Dialogregie sinnvoll. Da arbeiten wir mit Bernhard Murk zusammen, Theaterregisseur und Schauspieler, der Charaktere sehr fein herausarbeitet.

Lisa:
Bei Sachbüchern kann ich mir das eigene Einsprechen gut vorstellen. Bei Romanen eher nicht. Da hört man den Unterschied einfach.

Bernd:
Sehe ich genauso.
Es gibt aber auch Mischformen. Zum Beispiel: Ein Profisprecher liest den Fließtext und der Autor spricht zwischendurch O-Töne. Erklärungen, Ergänzungen, persönliche Gedanken.

Das ist wie eine Infobox im Buch, nur akustisch. Das funktioniert erstaunlich gut.

Lisa:
Großartige Idee. Darauf wäre ich nicht gekommen.

Du hast vorhin Katharina Hangel erwähnt. Ihr Hörbuch hat mich beim Setzen schon komplett zerlegt.

Bernd:
Mich auch. Beim Schneiden habe ich permanent geheult.
Diese Authentizität, wenn jemand seine eigene Geschichte erzählt, ist einfach eine andere Dimension.

Lisa:
Wie lange dauert so ein Hörbuchprojekt?

Bernd:
Mehr, als man glaubt.
Als Faustregel sagt man: Eine Buchseite braucht bei geübten Sprecher:innen etwa drei Minuten reine Aufnahmezeit. Ein 300-Seiten-Buch wären also rund 15 Stunden Aufnahme. In der Praxis ist es deutlich mehr, weil Pausen, Wiederholungen, Gespräche dazukommen.

Nicht geübte Sprecher:innen schaffen maximal drei bis vier Stunden pro Tag. Danach ist Schluss.
Deshalb ziehen sich solche Projekte oft über mehrere Wochen oder Monate. Das ist völlig normal.

Ich arbeite gerne mit Pauschalen, damit kein Zeitdruck entsteht. Qualität leidet enorm, wenn der innere Taxameter mitläuft.

Lisa:
Und das alles passiert hier in deinem Studio?

Bernd:
Genau. Im schalloptimierten Aufnahmeraum. Danach beginnt die eigentliche Arbeit. Schnitt, Atmo, Musik, Kapitelstruktur, eventuell ein Klangkonzept.

Dann gibt es eine Abnahme, Korrekturen und am Ende das Mastering. Erst danach kann das Hörbuch über einen Distributor zu Audible, Spotify und Co. hochgeladen werden. Die technischen Anforderungen dort sind ziemlich streng.

Lisa:
Und dann ist es draußen. Reich wird man vielleicht nicht, aber darum geht es oft auch gar nicht.

Ich habe heute in der Kaffeeküche gesagt:
Es geht nicht darum, dass dein Buch sich verkauft.
Es geht darum, dass dein Buch dich verkauft.

Bernd:
Genau. Umwegrentabilität. Absolut.

Und man kann es auch umdrehen. Podcasts transkribieren, daraus Bücher machen. Oder Inhalte zuerst sprechen und dann verschriftlichen. Für Menschen, die lieber reden als schreiben, ist das eine großartige Möglichkeit.

Lisa:
Und genau dafür gibt es uns.

Bernd, ganz ehrlich: Wenn ich mal groß bin, darfst du meinen Podcast lesen. Du hast eine unglaublich schöne Stimme.

Bernd:
Danke. Wenn man sein halbes Leben an der Stimme arbeitet, bleibt etwas hängen. Der Rest ist Gnade von oben.

Lisa:
Danke, dass ich heute bei dir sein durfte. Ich freue mich sehr auf alles, was noch kommt.

Bernd:
Ich mich auch. Und jetzt stoßen wir mit einem Kaffee an.

Lisa:
Und ihr lasst euch das alles durch den Kopf gehen.
Vielleicht ist genau jetzt die Zeit für euer Hörbuch.

Bis zum nächsten Mal.
Pfiat euch.