The Write Way Podcast Folge 14: Verlag? Self Publishing? Oder was ganz anderes?

Lisa: Hallo und herzlich willkommen. Wir sind ganz am Ende. Wir sind am Ende vom Buch. Wir sind in der Folge 14 und unser Thema ist Verlag, Self-Publishing oder vielleicht was ganz anderes. Das heißt, wir schauen uns jetzt einmal an, was passiert, wenn das Buch fertig ist.
Warum schauen wir uns das jetzt an? Weil es sehr viele Leute gibt, die mich zum Beispiel ganz am Anfang fragen, wie soll ich denn das Buch dann rausbringen? Die haben Angst, dass ihr Manuskript dann niemand möchte und dass ihr Projekt auf ewig in irgendeiner Schublade herumgammelt. Oder sie brauchen einfach für sich die Klarheit, diese Vision, es liegt am Horizont, damit sie überhaupt anfangen können zu schreiben. Aber was immer es ist, das dahinter steckt, für viele Menschen ist es einfach wichtig zu wissen, wie es dann weitergeht und wie ihr Buch letztendlich rauskommt. Und es ist je nachdem, welchen Weg du einschlagen willst, auch gar nicht so blöd, dir das am Anfang schon zu überlegen. Aber das schauen wir uns jetzt einmal in Ruhe an.

Moni: Also nehmen wir an, mein Wunsch ist es, über einen traditionellen, vielleicht sogar wirklich bekannten Verlag zu veröffentlichen. Wie lege ich das an?

Lisa: Ja, da sind wir jetzt genau bei dem, was ich gesagt habe. Die Frage stellen sich nämlich viele Autorinnen erst, wenn es eigentlich schon spät ist.
Es ist schon richtig, manche Verlagsagenten und Agentinnen nehmen dich auch mit einem fertigen Manuskript. In Wirklichkeit ist es aber schlauer, wenn du wirklich zu einem großen, klassischen, traditionellen Verlag möchtest, dass du schon mit der ersten Leseprobe und einem Exposé dort aufschlägst.

Moni: Apropos Exposé, das heißt auch hier ganz wichtig, dich zu erkundigen, was soll denn in diesem Exposé überhaupt drinnen stehen. Viele renommierte Verlage haben Vorlagen auf ihrer Webseite, die man downloaden kann, oder Informationen, was sie gerne hätten.
Jeder Verlag hat andere Anforderungen an ein Exposé und es bringt nichts, irgendwas hinzuschicken, weil dann schauen sie sich das schon gar nicht an. Also schauen: Was muss da drinstehen und welche Art von Leseprobe hätten die gern und wie lang soll sie sein.

Lisa: Unter uns, du wirst nicht nur ein Exposé verschicken, sondern vermutlich mehrere. Das ist zumindest das, was wir dir raten würden. Und ja, dann wäre es auch blöd, wenn jetzt schon das ganze Manuskript da wäre, weil Verlage eben da doch einen anderen Fokus haben. Und mit den Exposés bist du eher mal beschäftigt, wenn du die verschickst.
Vor allem gerade traditionelle Verlage haben oft sehr genaue Vorstellungen. Wie viele Zeichen soll das Ding haben? Vielleicht kriegst du eine Vorgabe, in welchem Stil es sein soll etc. Also wenn du das wirklich durchziehen möchtest, schau dich wirklich rechtzeitig um. Und noch ein ganz, ganz wichtiger Punkt. Wenn ein Verlag sofort zusagt oder vielleicht sogar du irgendwo im Internet ein Inserat siehst. „Wir suchen Autoren und Autorinnen“, dann ist Vorsicht geboten.

Moni: Ich würde sagen, wenn du dir dann das Kleingedruckte oder das Mittelgedruckte anschaust und da steht dann drinnen, dass du eine sehr hohe Anzahl von Büchern selbst kaufen musst oder ein kleines Vermögen bezahlen musst für alles Mögliche, damit das Buch rauskommt. Sorry Leute, aber das ist dann kein traditioneller Verlag, sondern ein Druckkostenzuschussverlag.
Und es gibt ja, glaube ich, so zwei Hauptgründe, warum Autoren und Autorinnen gerne bei einem traditionellen Verlag publiziert werden möchten. Einerseits, weil Renommee, wenn auf dem Buch eben ein bekannter Verlag steht, das schaut schon nach was aus und das kann man absolut nachvollziehen. Jeder von uns würde sich freuen. Aber auch, denke ich, weil ein Verlag im Normalfall ja auch Kosten für Lektorat und Layout übernimmt.
Wenn also jemand sagt, ich möchte jetzt nicht noch mehr in mein Buch investieren oder kann nicht oder wie auch immer, und dann finde ich aber einen Verlag, wo ich erst recht was zahlen muss, naja, dann kann ich halt gleich zum Self-Publishing gehen. Auch deswegen, weil diese Druckkostenzuschuss-Verlage einfach wirklich keinen guten Ruf haben. Da habe ich lieber nichts auf meinem Buch stehen, als dass ich das auf meinem Buch stehen habe.

Lisa: So ist es. Es gibt übrigens noch einen dritten Grund, wieso viele Autoren und Autorinnen den Weg zum klassischen Verlag suchen. Und das ist das Marketing. Weil irgendwie es sich herumgesprochen hat, es ist eine urbane Legende, das möchte ich gleich vorausschicken, dass ein klassischer Verlag das Marketing für dein Buch macht, dich auf Lesereisen schickt, dir vielleicht sogar noch einen großzügigen Vorschuss auszahlt, damit du dein Manuskript bei ihm veröffentlichst. Es tut mir wahnsinnig leid, es läuft so nicht. Wenn du wirklich ein sehr, sehr bekannter Autor oder eine sehr bekannte Autorin bist, dann wirst du einen Vorschuss kriegen. Punkt. Dann werden sie auch Marketing für dich machen. Aber gerade als Ersttäter oder Ersttäterin kriegst du einen Verlagsvertrag, du kriegst ein paar Tantiemen, die sind meistens nicht sehr viel und das war’s. Bis auf wenige Ausnahmen erwartet der Verlag eher noch, dass du das gesamte Marketing machst, damit sie dich überhaupt in Betracht ziehen,

Moni: Die warten nicht auf uns?

Lisa: Die warten nicht auf uns.

Moni: Okay, aber ich meine, es ist halt schon ein bisschen peinlich, wenn ich jetzt Self-Publishing mache. Ich meine, ist das professionell?

Lisa: Das ist ur-unprofessionell. Das kann man gar nicht machen. Ja eben, das schaut ja so aus, als ob mein Buch niemand wollte und jetzt muss ich ihn self-publishen. Okay, jetzt sind wir wieder ernst. Also aus meiner Erfahrung – und es sind immerhin ein ganzes Stück über 150 Bücher, die ich im letzten Jahr begleiten habe dürfen, und sehr viele davon in Self-Publishing – ist an einem guten Self-Publisher-Verlag oder Hybrid-Verlag oder On-Demand-Verlag, wie ich es immer nennen möchte, überhaupt nichts Verwerfliches. Ganz im Gegenteil, ich habe sogar die Bücher von einigen Promis über den Weg rausgebracht.

Moni: Echt?

Lisa: Echt.

Moni: Ich bin im gleichen Verlag wie Promi XY.

Lisa: Ja, genau.

Moni: Oder Sachen. Wir nennen keine Namen.

Lisa: Niemals.

Moni: Aber okay, also ich möchte mein Buch schreiben oder habe schon begonnen. Ich möchte es natürlich veröffentlichen. Wie finde ich die richtige Möglichkeit, die richtige Veröffentlichungsmöglichkeit für mich? Was muss ich beachten?

Lisa: Wir reden jetzt vom Selfpublishing, oder?

Moni: Ja.

Lisa: Da ist die erste Frage, die du stellen solltest: Für welchen Markt ist dein Buch in erster Linie gedacht? Also Österreich, Deutschland, auch Übersee, auch Schweiz. Nämlich insofern… es gibt Verlage, die zum Beispiel keinen Verlagsvertrag mit der Schweiz haben. Da gehört übrigens auch Amazon dazu. Es gibt kein Amazon CH. Also mit der Schweiz ist es leider tatsächlich ein bisschen schwierig, weil eben auch nicht EU und so weiter und so fort. Das heißt, wenn dir das wichtig ist oder wenn dir wichtig ist, dass dein Buch aus welchen Gründen auch in Übersee gelistet und leicht erhältlich ist, müsstest du dir das entsprechend wirklich anschauen, welcher Self-Publishing-Verlag dir zusagt.

Moni: Okay, jetzt hast du gesagt, ländertechnisch ist es ein Punkt, ist es auch zielgruppentechnisch eine Überlegung, die ich machen muss, an wen möchte ich meine Bücher verkaufen, nicht nur wo sitzen die Leute, sondern wer ist das überhaupt oder wie will ich sie verkaufen?

Lisa: Ja, definitiv. Es ist ein großer Unterschied, ob du sagst, mein Buch ist jetzt veröffentlicht, das ist irgendein Roman zum Beispiel, der kommt in die Buchhandlungen oder ist, weiß ich, eben auf Amazon KDP veröffentlicht und ich mache ein bisschen Marketing, aber das war es dann schon. Oder ob du sagst, ich bin Speakerin oder Coach oder Trainerin oder was immer und ich möchte dieses Buch zu meinen Workshops oder Vorträgen mitnehmen und dort verkaufen.

Oder ich möchte das Buch eben wirklich hauptsächlich selbst vertreiben. Es gibt Verlage, wo du extrem gute Konditionen hast für Eigenexemplare und dann gibt es welche, wo du weniger gute hast. Das könnte man sich zum Beispiel anschauen.

Moni:  Jetzt hast du vorher gesagt, bei Verlagen, also bei traditionellen Verlagen ist es oft so, dass die gewisse Vorgaben haben, was die Länge von Büchern betrifft, also den Umfang oder auch vielleicht, wie sie ausschauen. Vielleicht auch den Stil, weil die ja eben auch Lektorat und Layout zur Verfügung stellen. Wie ist denn das jetzt beim Self-Publishing? Redet mir da auch wer rein?

Lisa: Ja, aber nur dann, wenn es sehr hässlich ist. Nein, also du hast, wenn du spezielle Wünsche hast,  bezüglich Layout oder Wording, bist du natürlich mit einem Self-Publishing Verlag am besten dran. Du kannst zum Beispiel sagen, ich möchte das Buch in meinen Firmenfarben haben oder mit meiner Schrift. Ich habe auch gewisse Schriften, verwende die immer, die möchte ich auch in meinem Buch haben.
Da bist du natürlich mit einem On-Demand-Verlag super gut dran, weil eben, die Moni hat es eh schon gesagt, traditionelle Verlage sind in der Hinsicht halt ein bisschen … traditionell. Das heißt, die haben meistens ein gewisses Cover-Layout, gewisse Formate, von denen sie nicht abweichen und das ist dann halt so. Der Vorteil, wenn du das selbst verlegst, ist, du kannst dir dann Inlays dazu drucken lassen, du kannst dir alles mögliche Druckmaterial machen lassen und das dann auch verwenden.
Wenn es natürlich jetzt in erster Linie schnell und billig sein soll, rate ich dazu Amazon KDP, also zu Kindle Direct Publishing. Die machen mittlerweile auch Taschenbücher und Hardcover. Die sind jetzt von der Druckqualität nicht so, dass du sagst, wow, zum Niederknien. Aber es kommt wirklich immer darauf an, was du damit erreichen möchtest.
Und bitte nicht vergessen, wenn du über Amazon normalerweise rausgehst, hast du keine ISBN. Das heißt, dein Buch ist im Buchhandel nicht verfügbar.

Moni: Okay, das heißt, also zusammenfassend kann man sagen, ich bin im Self-Publishing ein bisschen freier meinen Entscheidungen, was ich vielleicht bei einem traditionellen Verlag nicht bin. Und es hängt aber auch davon ab, wo und wie mein Buch zur Verfügung gestellt werden soll und gekauft werden kann. Und Werbung muss ich sowieso für mein Buch machen.

Lisa: Und wie viel Kohle du in die Hand nehmen kannst oder möchtest. Weil das ist halt noch ein Vorteil von Amazon, dass du da relativ billig an dein Buch kommst. Die haben einen Online-Cover-Designer, sprich das ist ein Programm, wo du dein eigenes Cover gestalten kannst, wo du dein eigenes Layout machen kannst, auch als Nicht-Profi. Und es wird halt jetzt nicht so ur-super werden, aber es ist auf jeden Fall ausreichend, würde ich sagen.

Moni: Jetzt hast du gesagt Geld, das heißt, ich habe ein Buch geschrieben, kann ich mir jetzt einen Ponyhof kaufen?

Lisa: Ja, schon, wenn du dann Kredite aufnimmst.

Moni: Wieso? Ich werde nicht reich mit meinem Buch?

Lisa: Du wirst nicht reich mit deinem Buch, zumindest nicht vom Verkauf des Buches. Wenn du es allerdings schlau anlegst, dass eben nicht du dein Buch verkaufst, sondern der Buch dich verkauft, wirst du auf jeden Fall massive wirtschaftliche Vorteile davon haben. Und das gehört im weitesten Sinne sogar für belletristische Bücher, weil wenn du es schaffst, dass du durch dein Buch Lesungen kriegst zum Beispiel, du wirst dir keinen Ponyhof kaufen können, aber zumindest ein „My Little Pony“.

Moni: Aber wenn ich über einen traditionellen Verlag meinen Roman zum Beispiel herausgebe, so wie der Sebastian Fitzek, werde ich dann auch so eine berühmte Autorin wie der Fitzek und kann davon leben?

Lisa: Nein.

Moni: Jetzt hast du meine Träume zerstört. Ich habe mir gedacht, ich setze mich zur Ruhe und werde einfach berühmt.

Lisa: Super Idee, du kannst den Dieter Bohlen heiraten, dann bist du auch berühmt.

Moni: Reich und berühmt werde ich nicht, weil den Dieter Bohlen heirate ich nicht. Das heißt, ja, man kann eigentlich, ohne den Hintergrund zu wissen, nicht genau sagen, was für jeden oder jede Autorin jetzt passend ist.

Lisa: Kann man so zusammenfassen.

Moni: Das heißt, kurz gesagt, überleg dir, was für dich der richtige Weg ist. Wenn du dir nicht sicher bist, dann frag jemanden, von dem du annimmst, der könnte es wissen. Und aufpassen, wie gesagt, wir haben es eh schon angesprochen, wegen Druckkosten.

Lisa: Genau, weil um das, was du dort zahlst, kannst du dein Buch auch professionell layouten und lektorieren lassen und vielleicht ein bisschen gescheiter unter die Leute bringen.

Moni: Ja, wenn du an einen Verlag, welcher Art immer dieser Verlag ist, ein Exposé schickst und die sagen zu und wir haben es eh schon am Anfang gesagt, du bekommst den Verlagsvertrag.

Vielleicht ist es nicht nur gescheit, wenn du ihn aufmerksam liest, sondern auch noch jemandem unter die Nase hältst, der weiß, worauf er achten muss. Um einfach diesen Druckkostenzuschussverlagen, das Wort muss man jetzt einfach nochmal sagen, unbedingt nicht auf den Leim zu gehen, weil, wie die Lisa gesagt hat, davon hast du dann auch nichts. Ganz im Gegenteil.

Lisa: Das war’s. Das heißt, es braucht nur mehr das Buch fertig werden und dann weißt du schon, wie du damit rausgehen kannst.

Moni: Einen Punkt habe ich noch. Ich würde am Ende ganz, ganz wichtig sagen, es kann passieren, dass wenn du self-publishst, ein paar Leute oder eine Person auftaucht und meint, naja, aber eben das ist ja kein richtiger Verlag und peinlich und so weiter: Die Zeiten ändern sich.
Wir ändern uns und wenn du eben, wie Lisa jetzt vorher gesagt hat, dein Buch ein bisschen spezieller machen möchtest, bleibt dir fast nichts anderes übrig. Außerdem kannst du dann auch wirklich den Zeitpunkt bestimmen, wann dein Buch herauskommt und bist nicht davon abhängig, ob jemand dir was zusagt oder dir irgendwas verspricht und dann vielleicht nicht. Aber auf jeden Fall, du bist eine richtige Autorin und du bist ein richtiger Autor, auch wenn du self-publishst. Das ist mir jetzt wichtig, als Book-Imposter-Expertin das noch anzuhängen.

Lisa: Ja, ich stimme hundertprozentig zu. In diesem Sinne, keep writing und keep publishing. Und bis zum nächsten Mal.