
The Write Way Folge 28: Duck dich – die Deadline steht vor der Tür!
Lisa Keskin:
Hallo und herzlich willkommen zur neuen Folge des The Write Way Podcasts.
Wir sind mittlerweile bei Folge achtundzwanzig angekommen und unser Thema heute heißt:
Duck dich! Die Deadline steht vor der Tür.
Moni, du sagst ja immer, die Deadline ist dein bester Freund.
Moni:
Oder meine größte Motivation.
Ich brauche Deadlines, damit ich Dinge wirklich weiterbringe oder fertig bekomme. Wenn ich viel Zeit habe, passiert meistens erstaunlich wenig. Kurz vor der Deadline hingegen funktioniert es plötzlich hervorragend.
Das ist aber definitiv nicht für alle Menschen so. Deshalb ist es wichtig herauszufinden, wie man selbst tickt.
Wie ist das bei dir?
Lisa:
Sehr ähnlich. Wenn der Druck groß genug wird, flutscht es.
Wobei das schöner klingt, als es sich anfühlt. Und es stimmt auch nicht in jedem Kontext.
Wenn ich kreativ arbeiten soll und nicht nur produktiv, wird es schwierig. Dann werden Abstellkammern ausgeräumt, Fenster geputzt oder sogar Klos geputzt, bevor ich wirklich zu schreiben beginne.
Moni:
Wir könnten eigentlich eine Putzfirma gründen. Spezialisiert auf Deadlines.
Lisa:
Definitiv.
Aber die eigentliche Frage ist ja: Wie bleibt man produktiv, wenn der Druck kommt?
Wir haben in einem der letzten Podcasts schon darüber gesprochen, dass Deadlines manchmal sehr knackig sind. Sei es, weil ein Verlag sie vorgibt oder weil wir sie uns selbst setzen.
Bei Sachbüchern ist das für uns oft weniger dramatisch. Wir können auf unser Netzwerk zurückgreifen, auf Ghostwriter:innen, die wir ausgebildet haben. Wenn es hart auf hart geht, holen wir uns Unterstützung.
Moni:
Bei belletristischen Projekten ist das deutlich schwieriger. Vor allem dann, wenn es ein Herzensprojekt ist und du den Text nicht aus der Hand geben möchtest.
Oder moderner gesagt: die Tastatur.
Lisa:
Genau. Unser eigener Krimi lässt grüßen.
Irgendwann wird er fertig sein. Und er darf auch nur von unseren eigenen Pfoten geschrieben werden.
Aber du bist ja auch Mentaltrainerin. Was sagst du zum Thema Deadline-Stress?
Moni:
Das Wichtigste ist immer: sich selbst kennen.
Wie ticke ich?
Was brauche ich, um gut arbeiten zu können?
Wenn ich weiß, dass ich unter Druck schlecht arbeite, dann sollte ich gar nicht erst Druck entstehen lassen. Nicht einmal ein bisschen. Das heißt: sorgfältige Zeitplanung, große Projekte in kleine Schritte zerlegen und für jeden Schritt eine eigene kleine Deadline setzen. Immer mit Puffer.
Pufferzeiten sind extrem wichtig, weil alles fast immer länger dauert als gedacht. Und weil immer irgendetwas dazwischenkommt.
Lisa:
Das mache ich auch so.
Wobei ich gemerkt habe: Schreibzeiten im Kalender funktionieren nicht für alle. Manche brauchen sie, andere sitzen dann vor dem leeren Bildschirm und nichts passiert.
Bei mir ist es so: Sobald ich sitze, geht es meistens. Das Schwierige ist eher das Anfangen. Und das wird oft bis kurz vor die Deadline verschoben.
Moni:
Anfangen ist für viele die größte Hürde. Gerade bei Projekten für andere. Man muss erst hineinkommen.
Ich teile mir deshalb alles in kleine Einheiten ein. Scheibchenweise, wie man so schön sagt. Ich ziehe von den verbleibenden Tagen etwa zehn Prozent als Puffer ab und schaue dann, was ich pro Tag realistisch schaffen muss.
Wenn es wirklich eng wird, wird alles andere hintangestellt. Telefon auf lautlos, Ablenkungen weg. Auch wenn diese Ablenkungen manchmal verdammt verführerisch sind.
Lisa:
Ich habe dank meines leichten ADHS den Vorteil, dass ich in kurzer Zeit sehr viel schaffen kann, wenn es läuft. Wenn es nicht läuft, geht allerdings gar nichts. Dann werden eben andere Hirnareale beschäftigt. Stichwort Abstellkammer.
Aber am Ende geht es sich irgendwie immer aus. Das ist zumindest meine Erfahrung. Und das nimmt schon enorm viel Druck.
Und wenn es sich wirklich einmal nicht ausgeht, dann bitte kommunizieren.
Ich habe heute erst einer Kundin geschrieben, dass sich ein Kapitel diese Woche nicht ausgeht, weil es aufwendiger ist als gedacht. Die große Deadline bleibt aber unberührt. Und das ist entscheidend.
Moni:
Ein großes Thema in diesem Zusammenhang ist Prokrastination. Ein Wort, das ich kaum aussprechen kann.
Lisa:
Ich auch nicht. Schreiben geht besser als sagen.
Moni:
Prokrastination ist aber eigentlich gar kein Mysterium. Sie hat Gründe.
Zum Beispiel fehlender Überblick. Wenn ich nicht weiß, was ich konkret tun soll, kann ich nicht anfangen.
Oder Angst vor Feedback. Vor Kritik. Vor negativen Rückmeldungen von Kund:innen oder Leser:innen. Das kann enorm blockieren.
Lisa:
Gerade das erste Feedback in einem Projekt ist oft das schwierigste. Weil es die Richtung vorgibt. Und genau das kann dazu führen, dass man unbewusst ausweicht.
Dazu kommt, dass wir uns selbst hervorragend belügen können. Ich habe schon zu Uni-Zeiten am meisten geputzt, wenn ich eigentlich lernen hätte sollen.
Moni:
Und dann kommen noch all die Dinge dazu, die realistisch passieren. Anrufe, E-Mails, Menschen mit dringenden Anliegen. Oder ganz banal: der plötzlich extrem notwendige Kaffee.
To-do-Listen werden abends oft nicht kürzer als morgens. Nicht, weil nichts erledigt wurde, sondern weil ständig Neues dazukommt.
Lisa:
Ich verschätze mich außerdem regelmäßig. Ich arbeite schnell, ja. Aber meine To-do-Liste ist oft länger als mein Tag.
Mittlerweile plane ich bewusst großzügiger. Wenn ich denke, ich bin am Dienstag fertig, sage ich Donnerstag. Und das funktioniert erstaunlich gut.
Moni:
Hilfreich ist es, sich ehrlich zu fragen:
Wo liegt meine Achillesferse?
Beim Anfangen?
Beim Dranbleiben?
Beim Aufhören?
Werde ich schnell abgelenkt?
Oder überschätze ich mich?
Und genauso wichtig: Was brauche ich gerade, um gut arbeiten zu können? Das kann sich ändern. Von Projekt zu Projekt oder von Woche zu Woche.
Lisa:
Ein kurzer Ausflug in meine Welt:
Früher war ich multitaskingfähig. Lernen, fernsehen, Radio hören gleichzeitig. Heute geht das nicht mehr.
Dafür merke ich gerade, dass Musik meine Kreativität enorm anregt. Elektronische Musik, wenig Text. Das ist wie ein Feuerwerk im Kopf. In einem Monat kann das schon wieder anders sein.
Moni:
Bei mir ist es auch gerade Musik. Aber Rock’n’Roll wäre für mich der Tod jeder Schreibidee.
Lisa:
Für mich auch. Beim Joggen höre ich es gern. Und singe laut mit. Sehr zur Freude der Umgebung.
Moni:
Zusammengefasst:
Deadlines springen meist nicht aus dem Hinterhalt. Sie kündigen sich an.
Wenn du Aufgaben frühzeitig in kleine Einheiten teilst, kommst du oft gar nicht in den großen Stress.
Es gibt Ausnahmen. Wenn jemand anruft und sagt: In zwei Monaten Abgabe, zweihunderttausend Zeichen fehlen noch. Aber auch da gilt: Wenn sich etwas von Anfang an falsch anfühlt, darf man Nein sagen.
Lisa:
Realistisch planen, Puffer einbauen, ehrlich mit sich selbst sein und rechtzeitig kommunizieren. Dann klappt es auch mit der Deadline.
Und jetzt machen wir Schluss.
Wir haben nämlich selbst eine Deadline.
Moni:
In diesem Sinne: Tschüss.



