
The Write Way Folge 30: Österreichisch ist eine Fremdsprache – oder?
Hallo und herzlich willkommen zur dreißigsten Folge des The Write Way Podcasts.
Heute geht es um Sprache. Um Missverständnisse. Und um dieses sehr spezielle Gefühl, wenn man glaubt, man redet völlig normal – und das Gegenüber schaut einen an, als wäre man ein Alien.
Moni:
Oder als hätte man etwas sehr Österreichisches gesagt.
Lisa:
Oder beides gleichzeitig.
Moni:
Willkommen also zu einer Folge, in der wir ein bisschen über Sprache reden. Und sehr viel über das, was zwischen den Zeilen passiert.
Wir sprechen darüber, warum Worte manchmal verbinden und manchmal trennen. Warum das beim Schreiben eine größere Rolle spielt, als man vielleicht denkt. Und wir klären ganz nebenbei eine der wichtigsten Fragen überhaupt:
Heißt es das Cola oder die Cola?
Also lehn dich zurück. Mach es dir gemütlich. Egal, ob du unterwegs bist, schreibst oder so tust, als würdest du zuhören.
Lisa:
Nein, das ist keine Option. Zugehört wird.
Sag mal, wusstest du eigentlich, dass es ein Wort gibt, das auf der ganzen Welt verstanden wird?
Moni:
Wenn du mir jetzt mit Liebe kommst, geh ich!
Lisa:
Nein das wort ist cool.
Moni:
Natürlich ist das Wort cool.
Lisa:
Aber wirklich überall. Egal ob in Wien, Hamburg, Zürich oder irgendwo, wo ich beim Bestellen rote Ohren bekomme. Cool funktioniert immer.
Was eigentlich absurd ist, weil wir uns ja oft schon innerhalb von fünfzig Kilometern nicht mehr verstehen.
Moni:
Absolut. Zwischen österreichischem und bundesdeutschem Deutsch sowieso. Von der Schweiz reden wir gar nicht erst.
Lisa:
Sagst du eigentlich das Cola oder die Cola?
Moni:
Das Cola. Alles andere wäre ein Scheidungsgrund, oder?
Lisa:
Glück gehabt. Und sagst du das E-Mail oder die E-Mail?
Moni:
Die Mail. Manchmal rutscht mir das E-Mail raus, berufliches Vorleben mit deutscher Niederlassung.
Lisa:
Tomate oder Paradeiser?
Moni:
Tomate. Mit schlechtem Gewissen.
Lisa:
Meine Oma hat übrigens zu Erdbeeren Ananas gesagt. Das hat mich als Kind komplett verwirrt.
Moni:
Meine auch. Und es gab bei ihr Wörter, die ich sonst nie gehört habe. Zum Beispiel genzen. Wenn von einem Kuchen schon ein Stück fehlt.
Da sieht man schon: Allein in Österreich gibt es unfassbar viele sprachliche Unterschiede. Und ich rede noch gar nicht vom Steirischen, sondern nur von Altwiener Ausdrücken.
Lisa:
Ich hatte eine Zimmerkollegin, die gesagt hat, sie geht auf eine Tanzerei. Und trotzdem behaupten alle, wir sprechen dieselbe Sprache.
Moni:
Tun wir nicht. Eigentlich trennt uns nichts mehr als die gemeinsame Sprache. Selbst wenn zwei Menschen gleich alt sind, aus derselben Stadt kommen und ähnliche Lebensrealitäten haben, reden sie trotzdem oft aneinander vorbei. Und dann kommen andere Länder, andere Kulturen, andere Sprachgewohnheiten dazu – und wir nennen das alles Deutsch.
Lisa:
Und dann ist da noch das Thema Zeit. Schweizer Kund:innen sind oft überpünktlich.
Moni:
Menschen aus südlicheren Ländern entspannter. Alles relativ.
Aber zurück zur Sprache. Warum erzählen wir das eigentlich?
Lisa:
Weil es beim Schreiben entscheidend ist.
Wenn ich schreibe, muss ich mir immer überlegen: Für wen schreibe ich?
Wenn ich nur für Österreicher:innen schreibe, kann ich hemmungslos Wörter wie Bauchfleck verwenden. Schweizer bekommen davon Lachanfälle. Die kennen das Wort nicht.
Oder Hühnerhaut für Gänsehaut. Oder Bärenfell. Alles schon gehört.
Moni:
Sobald Leser:innen nicht nur aus Österreich kommen, sondern auch aus Deutschland und der Schweiz, wird es spannend. Die schauen bei manchen Ausdrücken wie ein Reh im Scheinwerferlicht.
Dann gibt es drei Möglichkeiten:
Erklären.
So einbauen, dass es sich aus dem Kontext erschließt.
Oder ein Wort wählen, das überall verstanden wird.
Hilfreich sind dabei Wörterbücher, der Duden, Google oder auch KI.Wäre es bei Sachbüchern nicht schlau, einfach neutrale Begriffe zu verwenden?
Lisa:
Kann man machen. Aber dann passiert oft etwas sehr Ungutes. Der Text wird brav. Glatt. Stromlinienförmig. Und verliert Charme, Ecken und Authentizität.
Ich habe einen Schweizer Kunden, der bewusst in Schwyzerdütsch schreibt, mit Untertiteln. Mit Ausdrücken wie Schokli oder Erdberi. Es ist teilweise heftig, aber extrem sympathisch.
Sprache darf nach Herkunft duften. Gerade in Büchern, die dich repräsentieren.
Moni:
Man kann dabei sogar etwas lernen. Die Frage ist nicht, ob ich meine Sprache verwenden darf, sondern ob ich weiß, für wen ich schreibe. Und was das bedeutet.
Brauche ich Erklärungen? Ein Glossar? Oder reicht der Kontext?
Lisa:
Stell dir vor, unser Wiener Krimi wäre sprachlich glattgebügelt. Alle Kieberer würden Hochdeutsch sprechen. Das wäre absurd.
Wir verwenden bewusst Wörter wie Haberer. Und ja, es wird ein Glossar geben.
Moni:
Sprache charakterisiert Figuren. In Romanen genauso wie in Fallbeispielen von Sachbüchern.
Und dann kommen noch Generationen dazu. Generation X spricht anders als Generation Z. Und die nächste Generation wieder ganz anders.
Lisa:
Sprache ist also nicht nur Dialekt oder Hochdeutsch. Es ist Zielgruppe, Genre, Kontext und Bewusstsein.
Moni:
Zielgruppe definieren. Das sagen wir in jedem Podcast. Und es bleibt wahr.Und wenn Wörter unbekannt sind, kann man erklären. Oder bewusst einsetzen. Oder weglassen. Alles ist erlaubt, wenn es eine Entscheidung ist.
Lisa:
Ob Tomate oder Paradeiser. Der oder die Cola. Dialekt oder neutral.
Wichtig ist nur: Weißt du, was du tust?
Und wenn du unsicher bist, frag dich: Würde das für meine Leser:innen noch cool klingen?
Denn cool funktioniert immer.
Beide:
In diesem Sinne: Schreib los. Sei bewusst. Und bleib cool.


