Ein weißer Traum
Sabrina C. Schulter
Sabrina C. Schulter
Ein Hotel kann eine Unterkunft sein, ein wunderschöner Treffpunkt, eine Notbleibe oder ein Geschenk. Hier ziehen Menschen aus aller Welt täglich ein und aus. Speisen, köstliche Gerichte aus Gourmetküchen oder Entspannung im Spa. Verwöhnen lassen ist ein Geschenk für die Seele. Leise Klangschalentöne, sanftes Atmen, es lässt unser Innerstes baumeln.
An der Rezeption werden schon zahlreiche Geschenke abgegeben, für den Geschenketisch. Es soll alles so sein wie zu Hause, Weihnachten wie man es kennt.
Die Kellner tragen Tabletts voller Champagnergläser durch das Foyer. Die Gäste lachen, schwenken ihre Gläser, Stimmengewirr in unterschiedlichen Sprachen wirbelt durcheinander. Die Absätze vornehmer Damen klackern auf dem frisch geölten Holzboden, der unter den Weihnachtslichtern glänzt. Ein älteres Ehepaar fragt neugierig, ob der Chor heute singen wird. Die Rezeptionistin nickt, lächelt, antwortet freundlich. Auf dem Geschenketisch liegen verschiedenste verpackte Schachteln mit Satinschleifen und schickem Papier. Die Sängerin beginnt mit vorsichtigen Tönen „Silent Night, Holy Night“, während draußen die Schneeflocken wirbeln.
Ein Fotograf im schicken Smoking ist dabei, die schönsten Weihnachtbilder für jeden Gast zu knipsen. Menschen, die sich hier wohl fühlen, Kinder, die lachen. Aus der Küche werden gerade die frisch verzierten Lebkuchenmänner für die Kinder bereitgestellt. Vor Freude springen sie auf und nehmen sie dankbar vom Teller. An der Bar gibt es heißen Kakao, Tee und Weihnachtspunsch für alle. Der Duft von Weihnacht liegt in der Luft.
In jedem Raum des Hotels steht ein kleiner Weihnachtsbaum. Der Schmuck schimmert in den Farben Weiß und Blau. Glitzernde Kugeln in Klein und Groß lassen die Bäume üppiger wirken. Der größte aller Weihnachtsbäume steht in der Lounge, wo sich die Gäste gerade auf das Weihnachtsfest freuen. Seine dunkelgrünen Tannennadeln erinnern an einen herrlichen Wald, der nach frischem Moos duftet. An ihm hängen Kugeln aus dünnem Glas. Zwischen den Zweigen kann man kleine Holzfiguren erkennen: kleine Puppen auf einem Schaukelpferd mit prächtigen Farben bemalt; zarte Strohsterne fein verarbeitet mit einem roten Faden. Eine Lichterkette windet sich um den ganzen Baum. Sie taucht den Raum in ein sanftes Leuchten – und ganz oben thront ein funkelnder Stern. Die Abendgarderobe der Gäste ist sehr festlich und edel.
An der Bar stehen goldene Teller mit frischen Mehlspeisen. Der Raum duftet leicht süßlich davon. Die kleinen köstlichen Kekse sind mit Marmelade oder Schokoladecreme gefüllt.
Die Dame des Hauses hat ihr Märchenbuch in der Hand und setzt sich zu den Kindern. Der Hausmeister hockt sich vor den Kamin, seine Hände greifen routiniert nach den Holzscheiten. Mit einem leisen Zischen fängt die Flamme an zu tanzen. Schon bald ist das sanfte Knistern im ganzen Raum zu hören.
Die Gastgeberin beginnt, die Geschichte zu lesen, während die Harfenspielerin ein Lied von „Aschenputtel“ vorspielt. Es passt genau zu der Geschichte, die Töne sanft im Hintergrund. Die leuchtenden Augen der Kinder sind auf die Vorlesende gerichtet. Ein leises Kichern geht durch die Runde. Aufmerksam hören sie sich die Geschichte von Weihnachten bis zum Ende an.
Die bodenlangen Fenster der Bar führen zu einer kleinen Terrasse hinaus. Die mit Fackeln und Pelzdecken vorbereiteten Sitzgelegenheiten lassen einen die Winterlandschaft nicht nur sehen, sondern spüren – als wäre man mittendrin im leisen Zauber der verschneiten Berge. Gäste sitzen eingehüllt in warme Decken, mit dampfendem Glühwein in der Hand, und blicken schweigend in die tanzenden Flammen der Feuerschale – ein Moment der Ruhe, der bleibt.
Ein Geschenk ist mehr als ein Gegenstand – es ist ein Stück unserer Träume. Manchmal ist es eine Geste, manchmal nur ein Augenblick, den wir im Hier und Jetzt spüren. Vielleicht ist es auch einfach das Gefühl, von Menschen umgeben zu sein, bei denen wir uns zuhause fühlen.
Weihnachten in den Bergen ist nicht nur Arbeit – es ist ein Erlebnis, das bleibt. Ein Traum aus Stille, Stil und warmem Beisammensein. Genau das macht diese Zeit so kostbar.
Sabrina C. Schulter ist Teilnehmerin des Ghostwriter-Lehrgangs und Autorin.

24. Dezember – Der Traum vom Frieden